Prävention sexualisierter Gewalt im Sport

"Wir machen uns auf den Weg", unter diesem Siegel des LSB NRW erarbeitet der MSB gemeinsam mit seiner Sportjugend sein Handlungskonzept zur Prävention sexualisierter Gewalt, als Vorbild für seine Vereine. Ziel ist die Mitgliedschaft im Qualitätsbündnis im Sport in NRW bis zum Ende nächsten Jahres.

Am 29.02.2020 hat der Vorstand des MSB sich selbst verpflichtet, das Thema „Prävention und Intervention sexualisierter Gewalt im Sport“ zu behandeln und als dauerhafte Aufgabe zu verankern, auch der Vorstand der Sportjugend hat dies am 24.03.2020 beschlossen. Ein besonderes Augenmerk wird dabei auf den Schutz von Kindern und Jugendlichen gelegt. Mit dem Handlungskonzept sollen klare Kriterien und Maßnahmen gegen sexualisierte Gewalt im organisierten Sport entwickelt werden. Der MSB und seine Sportjugend verpflichten sich und alle Mitarbeiter*innen der Geschäftsstelle, Übungsleiter*innen und Honorarkräfte zur Vorlage des erweiterten Führungszeugnisses sowie zur Einhaltung unseres Ehrenkodex

Unter "Gesetzliche Grundlagen" finden sich alle Unterlagen zum erweiterten Führungszeugnis. 

Karoline Kügler

Karoline Kügler

Referentin Bewegungsangebote Grundschule, Raumvergabe
(Kopie 1)
Was ist sexualisierte Gewalt im Sport?

Sexualisierte Gewalt ist Oberbegriff für verschiedene Formen der Machtausübung mit dem Mittel der Sexualität

  • Sexualisierte Gewalt ohne Körperkontakt
    z.B. sexistische Witze, sexuell anzügliche Bemerkungen, Mitteilungen/ Bildnachrichten mit sexuellem Inhalt …
  • Sexuelle Grenzverletzungen
    z.B. unangemessene Berührungen/ Massagen, sich vor anderen ausziehen oder exhibitionieren, betroffene Person auffordern, mit ihr alleine zu sein …
  • Sexualisierte Gewalt mit Körperkontakt
    z.B. Küsse, sexuelle Berührungen, versuchter Sex sowie Sex mit Penetration (gegen den Willen der Betroffenen) …

 

Der LSB NRW gilt seit langem als führend bei der Entwicklung und Umsetzung von präventiven Maßnahmen gegen sexualisierte Gewalt im Sport.
Im Rahmen der Kampagne „Schweigen schützt die Falschen“ wollen wir den Mülheimer Sportvereinen konkrete Hilfestellung geben, um

  • das Thema zu enttabuisieren
  • präventiv tätig zu werden
  • und in Krisen- und Verdachtsfällen Orientierung zu erhalten und damit handlungsfähig zu sein.

Was tun im Ernstfall?

Was tun, wenn ein Kind, eine Jugendliche oder ein Jugendlicher aus Ihrem Verein von sexueller Gewalt und/oder sexuellen Grenzverletzungen erzählt? 

Wir empfehlen, nicht selber tätig zu werden sondern sich an Experte*innen in Ihrer Nähe zu wenden.

Benötigen Sie hierzu Adressen von Ansprechpartner*innen so helfen wir Ihnen gerne weiter. Ihre Anfrage wird streng vertraulich behandelt. 

 

Qualitätsbündnis zum Schutz vor sexualisierter Gewalt im Sport

Die Mitgliedsvereine im MSB sollen sich mit dem Thema "Prävention sexualisierter Gewalt" beschäftigen und aktiv kommunizieren, dass sie nicht wegschauen, sondern genau hinschauen, so dass Täter*innen bei ihnen keine Chance bekommen.

Erste Schritte

  • Auseinandersetzung mit dem Handlungsleitfaden für Vereine des LSB NRW
  • Unterzeichnung des Ehrenkodex durch alle Verantwortlichen im Verein
  • Der LSB NRW stellt Präventionsplakate zu Verfügung. Laden Sie diese herunter und hängen Sie diese gut sichtbar in Ihren genutzten Sportstätten und Geschäftsstellen auf. Daneben kann ein Zettel mit der Telefonnummer eines der gängigen Hilfetelefone, z.B. 0800 22 55 530, aufgehangen werden.
  • Informationen und Materialien auf den Kommunikationskanälen des Vereins veröffentlichen und zur Verfügung stellen (Internetseite und/oder Newsletter)
  • Klare Positionierung des Vorstandes gegen sexualisierte Gewalt, die nach innen und außen kommuniziert und gegebenenfalls in die Vereinssatzung aufgenommen wird, z.B. "Der (Vereinsname) verurteilt jegliche Form von Gewalt, unabhängig davon, ob sie körperlicher, seelischer oder sexualisierter Art ist."

 

Das Qualitätsbündnis zum Schutz vor sexualisierter Gewalt im Sport 

Das Qualitätsbündnis hat sich zum Ziel gesetzt, sexualisierter Gewalt im Sport wirksam vorzubeugen und diese zu bekämpfen. Dazu werden maßgeschneiderte Qualitätsstandards zur Prävention und Intervention gemeinsam entwickelt und innerhalb der Vereinsstruktur installiert. Zentraler Gedanke dahinter ist die enge Vernetzung und der Transfer von Fachwissen.

Zu den Partnern im Qualitätsbündnis, dessen landesweite Umsetzung nun erfolgt, gehören neben dem LSB NRW und dem Sportministerium NRW, der die Maßnahme finanziell fördert, außerdem die Sportjugend NRW, der SSB Köln, der SSB/SJ Dortmund, die Arbeitsgemeinschaft Kinder- und Jugendschutz NRW, der Kinderschutzbund NRW, der SSB Köln sowie die Deutsche Sporthochschule Köln als wissenschaftliche Begleitung.

Ziele:

  • Entstehung eines NRW weiten Bündnisses von Verbänden und Vereinen gegen sexualisierte Gewalt
  • Prävention von sexualisierter Gewalt als besonderes Qualitätsmerkmal in Sportvereinen verankern
  • Vorbeugung sexualisierter Gewalt
  • Sportvereine dabei unterstützen, die Prävention sexualisierter Gewalt in ihrem Verein zu verankern; eine Kultur der Achtsamkeit zu entwickeln
  • Entwicklung von Qualitätsstandards zur Prävention und Intervention sexualisierter Gewalt im Sportverein

Sie wollen auch Teil des Qualitätsbündnisses werden, dann informieren Sie sich im Folder Qualitätsbündnis

Bundeskinderschutzgesetz betrifft auch Sportvereine

2012 trat das neue Bundeskinderschutzgesetz (BuKischG) in Kraft, das den Ausschluss von einschlägig Vorbestraften nach § 72a SGBVIII, besser bekannt als erweitertes Führungszeugnis, im Kinder- und Jugendbereich festschreibt. Die Träger der Jugendarbeit (also auch die Sportvereine) müssen nun sicherstellen, dass keine Personen in der Jugendarbeit beschäftigt werden, die wegen einer sexuell motivierten Straftat vorbestraft sind.

Wer eine Tätigkeit in der Kinder- und Jugendhilfe übernehmen möchte, ist verpflichtet ein erweitertes Führungszeugnis vorzulegen. Durch das Bundeskinderschutzgesetz wurde diese Verpflichtung auch auf die ehren- und nebenamtlich Tätigen ausgeweitet. Dadurch werden Kinder und Jugendliche in der Kinder- und Jugendhilfe besser geschützt.

Die Träger der öffentlichen Jugendhilfe und die freien Träger entscheiden, für welche ehren- oder nebenamtlichen Tätigkeiten Einsicht in das erweiterte Führungszeugnis von Bewerber*innen erforderlich ist. So soll sichergestellt werden, dass keine einschlägig vorbestraften Personen ein Näheverhältnis zu Kindern und Jugendlichen aufbauen und dieses ausnutzen können. Entscheidende Kriterien sind dabei die Art, Intensität und Dauer des Kontakts zu Kindern und Jugendlichen. Ein Prüfschema erläutert die genannten Kriterien und kann für die weitere Einschätzung der Tätigkeiten herangezogen werden.

Personen, deren Führungszeugnis Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung, gegen die körperliche Unversehrtheit oder gegen die persönliche Freiheit aufweist, sind von der Kinder- und Jugendarbeit im Verein/Verband auszuschließen.

Der Kommunale Soziale Dienst (KSD) der Stadt hat allen Mülheimer Sportvereinen Vereinbarungen zukommen lassen, durch deren Unterzeichnung sich die Vereine verpflichten, Einsicht in die erweiterten Führungszeugnisse ihrer haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeitenden zu nehmen. Prüfen Sie bitte, ob Ihr Verein diese Vereinbarung unterschrieben hat!

 

 

HINWEIS:
Für die Einsichtnahme in das erweiterte Führungszeugnis gelten strenge Regelungen zum Einhalten des Datenschutzes. Das erweiterte Führungszeugnis selbst (oder eine Kopie dessen) darf nicht archiviert werden. Lediglich der Dokumentationsvorschlag Führungszeugnis über die Einsicht in das erweiterte Führungszeugnis darf aufbewahrt werden. Das Führungszeugnis selbst bleibt im Besitz der Übungsleiter*innen. 

 

Anmerkung: 
Die Infografik „Kostenlose Beantragung erweiterter Führungszeugnisse durch Sportvereine“ zeigt den Ablauf für Bürger*innen der Stadt Mülheim. Für die umliegenden Städten und Kreisen informieren Sie sich bitte bei den jeweiligen Bürgerämtern. Sie können das Führungszeugnis auch online beim Bundeszentralregister in Bonn beantragen. Voraussetzung dafür ist die eingeschaltete Online-Ausweisfunktion des neuen Personalausweises.

 

Dokumente zum Erweiterten Führungszeugnis
Infografik „Kostenlose Beantragung erweiterter Führungszeugnisse durch Sportvereine“
Infografik "Vereinbarung zum Tätigkeitsausschluss einschlägig vorbestrafter Personen gemäß § 72a SGB VIII"
Informationen für Erziehungsberechtigte und Kinder

Fragen und Antworten zum Kinder- und Jugendschutz im Sport

Der Elternkompass informiert ausführlich über sexuellen Missbrauch und seine unterschiedlichen Facetten, auch in Bezug auf Social Media oder sexuelle Übergriffe unter Kindern und Jugendlichen. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Prävention von sexualisierter Gewalt und dem Vorgehen im Falle eines sexuellen Missbrauchs. Eltern finden hier außerdem dienliche Hinweise auf Merkmale, die einen guten Sportverein ausmachen. Weiterführende Literatur und Materialien für Kinder und Jugendliche sowie hilfreiche Adressen runden diese Orientierungshilfe ab.

Zwei Broschüren des LSB NRW helfen Mädchen und Jungen sich vor sexuellem Missbrauch im Sport zu schützen. Sie informieren Kinder und Jugendliche, Mütter und Väter und engagierte Vereine über Möglichkeiten der Hilfe für Betroffene und über die Tricks der Täter*innen.

„… eine ‚Vereinskultur des Hinsehens und der Beteiligung‘ erhöht den Schutz vor sexualisierter Gewalt im Verein.“ (Safe Sport Broschüre)

 

Hier finden Sie Vereine, die bereits im Qualitätsbündnis sind. 

Beratungsstellen
  • Im Falle eines Verdachts auf mögliche Kindeswohlgefährdung bietet der KSD, Ruhrstraße 1, 45468 Mülheim an der Ruhr unter der Telefonnummer 455-5140 eine entsprechende (anonyme) Beratung an. 
  • Das Ele-Phone der Awo Mülheim ist ein Hilfetelefon für Kinder und Jugendliche. Das Hilfetelefon ist unter der kostenlosen Rufnummer 0800-666 777 6 erreichbar.
  • Hilfeportal sexueller Missbrauch
    bundesweite kostenfreie und anonyme Anlaufstelle für Betroffene von sexualisierter Gewalt
    Telefon: 0800-22 55 530 (kostenfrei und anonym)
  • Nummer gegen Kummer
    Hilfe für Kinder und Jugendliche per Telefon und E-Mail
    Telefon: 116 111
    E-Mail: info@nummergegenkummer.de
  • Suse hilft
    Frauen und Mädchen mit Behinderungen erleben oft Gewalt
  • Weißer Ring
    Hilfe für Betroffene bei eingerichteten Beratungsstellen über das Telefon und online
    Telefon: 116 006 
    online: https://weisser-ring.de/hilfe-fuer-opfer/onlineberatung
  • Kein Täter werden
    Das Präventionsnetzwerk „Kein Täter werden“ bietet ein an allen Standorten kostenloses und durch die Schweigepflicht geschütztes Behandlungsangebot für Menschen, die sich sexuell zu Kindern hingezogen fühlen und deshalb therapeutische Hilfe suchen.
  • Haben Sie in Ihrer Kindheit und Jugend sexuelle Gewalt beim Sport erfahren? www.aufarbeitungskommission.de/sport oder telefonisch unter 0800 40 300 40 (kostenfrei und anonym)