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Auf dem Weg nach Paris - Olympionik*innen erzählen

Die Stadt Mülheim an der Ruhr ist bei den Olympischen Sommerspielen in Paris (Freitag, 26. Juli 2024 – Sonntag, 11. August 2024) sehr gut vertreten: durch Athlet*innen im Badminton, Rudern und Hockey sowie durch einen Hockey-Schiedsrichter, auch eine Mülheimer Trainerin verstärkt die Mülheimer Runde. Der Mülheimer Sportbund stellt die Mülheimer Olympiateilnehmer*innen auf dieser Seite durch ein Interview vor.

Interview für „Mülheim macht Sport" mit Lukas Windfeder

Flutlichtspiel gegen Gastgeber Frankreich zum Auftakt

Gleich drei Spieler des HTC Uhlenhorst wurden seitens des Deutschen Hockey-Bundes (DHB) für die Olympischen Spiele in Paris nominiert. Dass der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) diesem Vorschlag in seiner Nominierungssitzung am 2. Juli folgt und Lukas Windfeder, Moritz Ludwig und Malte Hellwig auch für das „Team D“ nominiert, ist anzunehmen.

Im Interview mit „Mülheim macht Sport“ erläutert das Trio u. a., welche Erwartungen es an das Multisportevent in der französischen Hauptstadt hat und wie sich die Vorbereitung darauf gestaltet.

Den Anfang macht Lukas Windfeder, der 2023 mit der deutschen Hockey-Nationalmannschaft Weltmeister wurde und – vorbehaltlich der angesprochenen Nominierung durch den DOSB – 2024 bereits zum zweiten Mal an den Olympischen Spielen teilnehmen wird.

Du kannst nicht für das deutsche Team bei der Pro League im Einsatz sein, die seit dem 23. Juni 2024 in den Niederlanden ausgetragen wird, weil Du Dich aktuell in der Reha befindest. Wie kam es dazu?

Ich habe mich leider an der Schulter verletzt, sodass ich aktuell täglich vier bis fünf Stunden Reha in Düsseldorf mache. Aber es sieht gut aus und ich habe die Hoffnung, dass ich bei dem Trainingscamp, das wir vor Paris noch haben, bereits wieder Hockey spielen kann.

Du hast Dein Team dennoch in Amsterdam unterstützt …

Ich war übers Wochenende dort und habe mir Sonntag und Montag die Spiele angesehen. Ich habe versucht, bei der Mannschaft zu sein und die Vorbereitung bestmöglich mitzumachen, aber trotzdem die Reha nicht zu vernachlässigen.

Was steht nach der Pro League noch bis Paris an?

Wir haben Anfang Juli einen mehrtägigen Lehrgang, ein Trainingscamp, in Düsseldorf. In dieser Zeit werden wir auch ein Testspiel gegen Malaysia absolvieren. Dann folgt, ebenfalls in Düsseldorf, die Einkleidung für Paris, ehe noch eine Teambuilding-Maßnahme ansteht. Diese findet aber woanders in Deutschland statt.

Du bist in diesem Jahr bereits zum zweiten Mal bei Olympia dabei. Welche Erwartungen hast Du an die Sommerspiele?

Ich hatte schon an Tokio Riesen-Erwartungen, aber die Spiele waren wegen der Beschränkungen natürlich ganz anders. Die Eröffnungsfeier fand in einem leeren Stadion statt, die Spiele fanden in einem leeren Stadion statt … In Paris erhoffe ich mir unglaublich viele Menschen und ich möchte die Stimmung aufsaugen, die z. B. im olympischen Dorf herrscht, und die von außen hereingetragen wird.

Werden einige Familienmitglieder oder Freund*innen von Dir aufgrund der Nähe zur Heimat die Gelegenheit nutzen und die Olympischen Spiele besuchen?

Ich weiß von einigen, dass sie Tickets gekauft haben oder dies vorhaben. Während manche dann auch in Paris übernachten werden, machen einige einen Tagesausflug.

Welche sportlichen Ziele habt Ihr Euch mit der Nationalmannschaft gesetzt?

Die konkrete Zielsetzungsbesprechung ist noch nicht erfolgt. Allerdings haben wir noch nie an einem Turnier teilgenommen und wollten nicht gewinnen … Aber dies hängt letztlich auch davon ab, wie gut wir drauf sind und wie gut die anderen drauf sind. Es haben fünf bis sechs Nationen realistische Chancen, eine Medaille zu gewinnen.

Welche Nationen sind das?

Zu den Top 4 würde ich Belgien, die Niederlande, Australien und auch uns zählen. Hinzu kommen Großbritannien und Indien.

Welche Erwartungen hast Du an das olympische Dorf in Paris?

Ich habe noch nicht so viel davon mitgekommen, wie das Dorf aussieht. In Tokio lag dieses direkt am Wasser und bot eine tolle Kulisse. In Paris sollen die Apartments wohl genauso eingerichtet sein, u. a. mit Betten aus Pappkarton. Das Konzept ist identisch, denn auch diesmal wird viel Wert auf eine nachhaltige Ausstattung gelegt. Ich bin daher auch auf den Außenbereich gespannt.

Während Sportler*innen aus Individualsportarten im olympischen Dorf häufig mit Sportler*innen aus anderen Sportarten in einem Apartment untergebracht sind, kennt Ihr Euch alle. Da kommt sicherlich eine besonders schöne Stimmung auf …

In Tokio hatten wir drei 6er-Apartments. Ich denke, dass es in Paris ähnlich sein wird. Das war sehr cool. Bei anderen Turnieren sind wir immer zu zweit auf einem Hotelzimmer. Bei Olympia ist dann natürlich mehr los.

Aufgrund der Nähe und aus Gründen der Nachhaltigkeit reist das Team Deutschland diesmal mit dem Zug zu den Olympischen Spielen. D. h. auch Ihr fahrt mit dem Eurostar nach Paris?

Ja, alle Nationalspieler aus dem Westen treffen sich in Köln und fahren dann gemeinsam mit dem Zug nach Paris.

Wann geht es für Euch los?

Die Anreise erfolgt eine Woche vor der Eröffnungsfeier. Wir werden dann vor Ort noch trainieren, außerdem sind zwei Trainingsspiele geplant und wir haben so Zeit, um das olympische Dorf kennenzulernen.

Gegen welche Nation bestreitet Ihr Euer erstes Spiel?

Unser erster Gruppengegner ist Frankreich … Wir freuen uns unglaublich darauf, gleich zu Beginn gegen den Gastgeber zu spielen. Das wird ein Flutlichtspiel am Abend sein.

Vielen Dank für das Gespräch und viel Erfolg sowie eine tolle Zeit in Paris!

 

Steckbrief Lukas Windfeder

  • Alter: 29 Jahre
  • Verein: HTC Uhlenhorst Mülheim
  • Feldspieler im deutschen Nationalteam
  • Nummer: 4
  • mehr als 150 Länderspiele im A-Kader bislang
  • 2023 Weltmeister mit dem deutschen Team
  • 2021 Vizeeuropameister mit dem deutschen Team
  • 2015 Vizeeuropameister mit dem deutschen Team
  • begann im Alter von ca. sechs Jahren mit Hockey
  • Beruf: angehender Jurist

Interview für „Mülheim macht Sport" mit Moritz Ludwig

„Man benötigt viel Fleiß und viel Spaß an der Sache!“

Moritz Ludwig gibt in diesem Jahr sein Olympiadebüt: Der „Local Hero“ des Jahres 2021 in Mülheim an der Ruhr wurde vom Deutschen Hockey-Bund (DHB) anlässlich der Spiele der XXXIII. Olympiade erstmalig für das Großereignis nominiert. Im Interview mit „Mülheim macht Sport“ erläutert der 22-Jährige vom HTC Uhlenhorst u. a., was aus seiner Sicht erforderlich ist, um im Hockey ein Weltklassespieler zu werden.

Welche Erwartungen hast Du an die Olympischen Spiele?

Ich bin sehr gespannt auf das ganze Setting. Wie ich gehört habe, soll es sehr, sehr krass werden und outstanding – auch im Verhältnis zu anderen Olympischen Spielen. Und dann hoffe ich natürlich, dass wir gut abschneiden und eine Medaille gewinnen.

Durch die Nähe zu Mülheim an der Ruhr bieten sich natürlich auch für die heimischen Hockeyfans vergleichsweise gute Möglichkeiten, bei den Olympischen Spielen dabei zu sein …

Ja, Familie und Freund*innen haben Tickets und ich denke, dass vom HTCU auch ein bis zwei Leute nach Paris kommen und sich ein Spiel anschauen oder sogar länger dableiben.

Hast Du damit „gerechnet“, dass Du seitens des DHB für Paris nominiert wirst?

Ich habe in den vergangenen Jahren alle großen Turniere gespielt, insofern wäre die Enttäuschung schon groß gewesen, wenn ich nicht dabei gewesen wäre. Aber sicher kann man nie sein. Ich habe mich daher natürlich sehr gefreut, als die Nominierung bekannt gegeben wurde.

Wie und wann bist Du zum Hockey gekommen?

Ich habe mit drei Jahren angefangen, als meine Schwester auch angefangen hat zu spielen.

Was fasziniert Dich an der Sportart Hockey?

Hockey ist relativ schnell, es ist eine Mannschafts-Sportart und sehr dynamisch.

Seit wann spielst Du schon für den HTCU?

Ich komme ursprünglich aus Dinslaken und bin 2011 zum HTCU gewechselt. Inzwischen wohne ich auch in Mülheim an der Ruhr.

Wenn Dich ein junger Sportler fragt, was man ‚benötigt‘, um solch ein Weltklassespieler zu werden, wie Du einer bist. Was antwortest Du ihm?

Man benötigt viel Fleiß und viel Spaß an der Sache.

Wie muss ich mir eine typische Trainingswoche bei Dir vorstellen? Du musst das Training ja sicherlich auch mit der Berufsausbildung kombinieren.

Ich trainiere zweimal täglich und studiere nebenbei BWL. In der ersten Trainingseinheit, morgens, stehen meistens Intervalle und Krafttraining an. Nachmittags/abends geht es dann an den Schläger.

Hast Du besondere „Rituale“ vor jedem Spiel oder hörst z. B. immer eine bestimmte Musik oder benötigst vor einem Spiel eine Phase, in der Du in besonderer Weise Ruhe haben möchtest?

Eigentlich nicht.

Nehmt Ihr am 26. Juli an der Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele teil? Das Konzept sieht ja vor, dass die Mannschaften auf Booten über die Seine fahren.

Ja, wir sind bei der Eröffnungsfeier dabei. Da freue ich mich auch sehr drauf.

 

Steckbrief Moritz Ludwig

  • Alter: 22Jahre
  • Verein: HTC Uhlenhorst Mülheim
  • Feldspieler im deutschen Nationalteam
  • Nummer: 44
  • knapp 50 Länderspiele im A-Kader bislang
  • 2023 Weltmeister mit dem deutschen Team
  • 2020 Halleneuropameister mit dem deutschen Team
  • Beruf: Sportsoldat, BWL-Student

Interview für "Mülheim macht Sport" mit Malte Hellwig

„Alle sind sehr kollegial und freundschaftlich unterwegs!“

Auch Malte Hellwig wurde in diesem Jahr zum ersten Mal seitens des Deutschen Hockey-Bundes (DHB) für die Olympischen Spiele nominiert. Der 26-Jährige vom HTC Uhlenhorst darf als Ersatzspieler mit nach Paris reisen. Im Interview mit „Mülheim macht Sport“ spricht er u. a. über die gute Atmosphäre in der deutschen Hockey-Nationalmannschaft.

Wie war es für Dich, als Du von der Nominierung erfahren hast? Und wie groß ist die Vorfreude auf Paris?

Für mich ist die Situation ein bisschen anders als für Lukas (Windfeder; Anm. d. Red.) und Moritz (Ludwig; Anm. d. Red.), da ich ja „nur“ eine P-Akkreditierung* habe. Trotzdem ist die Freude sehr, sehr groß. In der heißen Nominierungsphase haben sich die Tage vor der Nominierung eher angefühlt, als würde ich nicht nominiert. Als die Nominierung dann raus war, hatte ich nicht damit gerechnet, dass ich mein Name darin vorkommt.

Was bedeutet diese Form der Akkreditierung konkret?

Wir P-Akkreditierte haben einen kompletten Zugang zum olympischen Dorf, aber aktuell noch kein Bett dort. In den vergangenen Jahren konnte es immer noch so organisiert werden, dass für die P-Akkreditierten in den Apartments ein Bett dazugestellt wurde. Aber das ist eben noch nicht gesichert. Nach aktuellem Stand wohnen wir in einem Hotel, das sich in unmittelbarer Nähe des olympischen Dorfes befindet. Wir sind bei allen Besprechungen und beim Training dabei, können in die Mensa gehen etc., wir müssen nur eben woanders übernachten.

Wie viele P-Akkreditierte gibt es in Eurem Team?

P-Akkreditierte sind ein Ersatz-Torwart, ein weiterer Feldspieler und ich.

Und Ihr kämt zum Einsatz, wenn – was man natürlich nie hofft – jemand aus dem Team nicht mehr spielen könnte?

Genau, wenn sich jemand aus der Mannschaft z. B. verletzen sollte, rückt einer von uns nach. Wer das ist, hängt von der Position ab.

Welche Position bekleidest Du?

Sturm.

Wie bist Du eigentlich zum Hockey gekommen?

Ich bin über einen sehr guten Kindergartenfreund, der Hockey gespielt hat, dazu gekommen. Er hat mich sozusagen mitgeschleppt. Der Sport hat mich da schon sehr begeistert. Meine Familie hingegen hatte gar nichts mit Hockey zu tun – was in unserer Sportart eigentlich eher ungewöhnlich ist.

Was gefällt Dir an der Sportart so gut?

Zum einen sind es die hohen technischen Anforderungen, zum anderen ist viel Athletik erforderlich. Außerdem gibt es viele mannschaftstaktische Inhalte, die mich gerade auch aktuell begeistern.

In welchem Alter hast Du mit Hockey begonnen?

Mit ca. fünf Jahren.

Kommst Du aus Mülheim an der Ruhr?

Ja, ich bin „Ur-Mülheimer“ und immer schon im HTCU.

Ich kann mir vorstellen, dass es nicht immer leicht ist, Leistungssport und Berufsausbildung zu vereinbaren …

Das ist in der Tat nicht immer einfach. Ich bin wie Moritz Sportsoldat, was das Ganze zumindest finanziell etwas einfacher macht. Gleichzeitig studiere ich in Duisburg BWL. Aber gerade in einem Jahr mit Olympia liegt der Fokus auf dem Sport. Zuvor habe ich bereits ein Sportstudium in Köln abgeschlossen.

Schottest Du Dich vor einem Spiel gerne ab, sodass Du etwas Ruhe hast, oder wie bereitest Du Dich ggf. anderweitig darauf vor?

Ich bin kein Typ, der sich isoliert, sondern bei uns ist es eigentlich immer relativ locker. Oftmals spielen wir ein bisschen Fußball vor dem Warm-Up und ich genieße es, mir den Jungs zu quatschen.

André Hennig, der seit rund zweieinhalb Jahren als Cheftrainer der deutschen Nationalmannschaft der Herren fungiert, war ja ab 2007 sieben Jahre Chefcoach der Bundesligamannschaft des HTC Uhlenhorst. Habt Ihr Uhlenhorster dadurch ggf. eine besondere Beziehung zu ihm?

Im letzten Jahr, in dem André am Uhlenhorst war, hat er mich in die Herrenmannschaft hochgezogen, sodass ich das letzte halbe Jahr bei ihm gespielt habe. Ich glaube, aus unserer Nationalmannschaft haben alle eine sehr entspannte Bindung zum Staff. Sicherlich ist es von Vorteil, wenn man Leute schon mal in Stresssituationen erlebt hat, aber bei mir war das eben auch nur ein halbes Jahr der Fall. Ich habe allerdings bereits zwei Jahre unter André in der U18-Nationalmannschaft gespielt. Insgesamt denke ich, dass es nur ganz wenige Leute aus unserer Mannschaft gibt, die André zum ersten Mal erlebt haben, als er die Aufgabe übernahm.

Das klingt, als wäre die Atmosphäre in der deutschen Nationalmannschaft äußerst angenehm …

Absolut! Alle sind sehr kollegial und freundschaftlich unterwegs und es ist alles sehr entspannt.

Welche Erwartungen hast Du an die Olympischen Spiele?

Ich habe eigentlich keine konkreten Erwartungen. Ich hoffe, möglichst viel in den Austausch mit Sportlern aus anderen Nationen und Sportarten zu kommen, und würde mich freuen, auch mal andere Wettkämpfe besuchen zu können, um so noch einen anderen Eindruck von Olympia zu bekommen.

Dürft Ihr P-Akkreditieren eigentlich auch an der Eröffnungsfeier teilnehmen?

Ja, das ist aktuell geplant. Das Konzept für die Eröffnungsfeier klingt spannend!

Vielen Dank für das Gespräch und viel Erfolg sowie eine tolle Zeit in Paris!

 

Steckbrief Malte Hellwig

  • Alter: 26 Jahre
  • Verein: HTC Uhlenhorst Mülheim
  • Feldspieler im deutschen Nationalteam
  • Nummer: 29
  • mehr als 50 Länderspiele im A-Kader bislang
  • 2018 Dritter bei der Hallen-EM mit dem deutschen Team
  • Beruf: Sportsoldat, BWL-Student, Bachelor in „Sport und Leistung“

*: P-akkreditierte Athleten kommen bei den Olympischen Spielen in Mannschaftssportarten bzw. Mannschaftswettbewerben zum Einsatz, wenn akkreditierte Athleten – und damit die Olympiateilnehmer – krankheits- oder verletzungsbedingt nicht mehr am Wettkampf teilnehmen können.

Interview für "Mülheim macht Sport" mit Julius Rommelmann

Gute Teamarbeit und gute Balance erforderlich

Einmal mehr ist aus Mülheim an der Ruhr auch ein Ruderer bei Olympia dabei: Nachdem 2021 in Tokio/Japan Jonathan Rommelmann für Deutschland an den Start ging, zählt nun dessen jüngerer Bruder Julius Rommelmann zum „Team D“.

 

Im Interview mit „Mülheim macht Sport“ erläutert der 27-Jährige, welche Erwartungen er an das Multisportevent in der französischen Hauptstadt hat und wie sich die Vorbereitung darauf gestaltet (hat).

 

Du bist derzeit noch unterwegs. Wo erreiche ich Dich gerade?

Wir befinden uns aktuell noch im Trainingslager in Ratzeburg (Bundesstützpunkt Ratzeburg/Hamburg des Deutschen Ruderverbandes; Anm. d. Red.). Die hier ansässige Ruderakademie ist in den vergangenen zwei Jahren renoviert worden und kürzlich fertig geworden. Hier gibt es u. a. einen Kraftraum und einen Ergoraum.

 

Die Vorbereitung geht vermutlich gerade in den „Endspurt“ …

Ja, das ist unser letztes Trainingslager vor Paris. Alle olympischen Boote, die sich qualifiziert haben, sind hier – bis auf Oliver Zeidler im Einer, er bereitet sich separat vor. Wir sind noch bis zum 20. Juli hier, dann zwei Tage zuhause, um noch ein wenig Kraft zu tanken, und am 23. Juli fahren wir dann von Essen aus mit dem Zug nach Paris.

 

Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) hat in seiner Nominierungssitzung am 25. Juni einen 5er-Pool für die Disziplin Doppelvierer M4x nominiert, d. h., einer der fünf nominierten Athleten fährt als Ersatzathlet nach Paris. Steht inzwischen fest, wer dies sein wird?

Leider bin ich derjenige, den es letztlich getroffen hat. Die Besetzung wurde bei unserem ersten Trainingslager, in Hallstadt/Österreich, bekannt gegeben. Aufgrund des Saisonverlaufes – mit guten Ergebnissen, die ich erzielt habe – hatte ich dies anders erwartet bzw. gehofft, dass ich doch im Boot sitzen würde. Aber das war eine Trainerentscheidung. Und auch wenn ich nun diese „undankbare“ Ersatzposition innehabe, wird Paris dennoch wahrscheinlich ein super Erlebnis sein.

 

Du würdest also zum Einsatz kommen, wenn jemand aus dem Doppelvierer z. B. kurzfristig krank würde?

Ich bin prinzipiell Ersatz für alle Skull-Boote, also auch z. B. für den Doppelzweier.

 

Wie lief die Vorbereitung auf Paris in den vergangenen Wochen ab?

Wir waren zunächst ca. 15 Tage in Österreich. Dort hatten wir ein sehr schönes Trainingsumfeld und sehr gute Bedingungen. Ich war primär im Einer unterwegs und habe mich so fit gehalten. Das Trainingslager war noch einmal ein Block, um die Ausdauerleistungsfähigkeit hoch zu halten: Wir haben dort pro Woche 28 bis 30 Stunden Sport gemacht. Morgens waren wir 100 bis 110 Minuten, manchmal auch zwei Stunden, Rudern. Anschließend ging es für eine Stunde auf das Fahrrad. Nachmittags hatten wir dann entweder noch einmal 60 Minuten Rudern und 60 Minuten Radfahren oder eine lange Einheit auf den Rennrädern. Wir haben im Trainingslager unsere Rennräder immer dabei. Hinzu kommt dreimal pro Woche Krafttraining und Stabilisationstraining. Üblicherweise haben wir bei solchen Trainingslagern zwei Tage hintereinander jeweils vier bis fünf Stunden Training, ehe wir am nächsten Tag vormittags zwei bis drei Stunden trainieren und nachmittags frei haben.

 

Nach Eurer Rückkehr erfolgte dann in Düsseldorf die offizielle Einkleidung für Paris. Wie gefällt Dir das Team D-Outfit?

Die Einkleidung hatten wir mit den Hockeyleuten zusammen, sodass ich auch die Spieler des HTCU gesehen habe. Mir gefallen die Sachen durchweg ziemlich gut. Gerade die normale Trainings-/Alltagskleidung ist relativ schlicht, aber mit coolen Mustern. Auch die Farben finde ich ganz cool.

 

Wann legt man sich im Rudern eigentlich fest, in welchem Boot man fährt?

Man entscheidet sich im Rudern recht früh für die Disziplin Skull oder die Disziplin Riemen. Beim Riemen-Rudern, wie es z. B. beim Achter der Fall ist, hat jeder nur einen Skull. Beim Skullen hat man auf beiden Seiten, also rechts und links, einen Skull. Am Anfang einer jeden Saison muss man sich im Einer beweisen, einen Ergometertest absolvieren, Ausscheidungsrennen bestreiten und es spielen noch weitere Faktoren eine Rolle. Aus diesen wird eine Rangliste erstellt, anhand derer wiederum die verschiedenen Boote besetzt werden. Dabei geht es um Fragen wie „Welches Boot hat Priorität?“ „Wo sind die besten Chancen?“ und „Welche Kombinationen passen gut?“.

 

Beinahe wäre Dein Bruder Jonathan ebenfalls in Paris am Start gewesen …

Ja, wir waren alle traurig, dass es nicht geklappt hat. Er hat leider bei der finalen Quali, bei der sich nur die ersten beiden für Paris qualifizierten, den undankbaren dritten Platz belegt. Er hatte die letzten anderthalb Jahre noch einmal alles reingeworfen – zumal Paris seine letzte Chance gewesen wäre, dabei zu sein: Nach Paris gibt es den Leichtgewichts-Doppelzweier nicht mehr. Das Feld war ziemlich eng.

 

Weißt Du schon, ob Du an der Eröffnungsfeier teilnehmen kannst/wirst?

Wir schauen die Eröffnungsfeier eventuell zusammen im Deutschen Haus. Zum einen gibt es am Tag der Eröffnungsfeier ein Rennen der Ersatzleute aus den verschiedenen Nationen. Dieses dient als Test und ermöglicht ihnen gleichzeitig, auch ein Rennen zu haben. Zum anderen ist Rudern ganz am Anfang der Spiele dabei, sodass das je nach Dauer der Feier ein bisschen schwierig ist. Ich gehe daher eher davon aus, dass wir die Eröffnungsfeier nicht miterleben.

 

Wie gelingt es Dir, Leistungssport und Berufsausbildung zu vereinbaren?

Das ist sicherlich nicht immer einfach. Vor ca. einem Monat habe ich mein Masterstudium in Sportwissenschaften bestanden. Auch in der Olympiavorbereitung habe ich parallel meine Masterarbeit geschrieben. Ich war zwar viel unterwegs, aber den Schreibpart konnte ich ja von überall aus machen. Da war die Forschung dann schon schwieriger. Es war zwar durchaus nicht leicht, sich neben vier bis fünf Stunden Training pro Tag aufzuraffen zu schreiben, aber ich habe das eigentlich ganz gut gemeistert. Im Frühjahr bin ich mit dem Schreiben fertig gewesen, das passte zeitlich ganz gut.

 

Welche Eigenschaften sind erforderlich, um ein Spitzen-Ruderer zu werden?

Man muss in jedem Fall diszipliniert sein, sonst schafft man es nicht so weit. Im Rudern ist gerade die Zeit im Winter sehr hart. Wichtig ist bei allem eine gute Teamarbeit. Für mich ist es daher auch immer sehr hilfreich, mit meinem Bruder zusammen Trainingseinheiten zu absolvieren. Wir wohnen ja beide in Essen. Wenn wir gemeinsam trainieren, können wir uns gegenseitig pushen. Bei dem ganzen Ehrgeiz und Fokus muss man aber auch eine gute Balance haben. Ich spiele daher zwischendurch auch gerne z. B. Volleyball und Badminton, d. h., ich beschäftige mich mit anderen Sachen.

 

Wann hast Du eigentlich mit dem Rudern begonnen?

Ich habe früher, bis ich 14 Jahre war, Hockey gespielt – auch beim HTC Uhlenhorst. Mit 13/14 Jahren habe ich parallel mit Rudern begonnen. Ich bin durch meinen Bruder dazu gekommen, weil er dies damals schon gemacht hat. Inzwischen bin ich also auch schon 13/14 Jahre dabei.

 

Vielen Dank für das Gespräch und viel Erfolg sowie eine tolle Zeit in Paris!

 

 

Steckbrief Julius Rommelmann

 

  • Alter: 27 Jahre
  • Verein: Renn-Ruder-Gemeinschaft Mülheim
  • Größte Erfolge 2024:
    • 2. Platz Finale C | Männer-Einer (M1x) | Weltcup III – Poznan
    • 5. Platz Finale A | Männer-Doppelvierer (M4x) | Weltcup II – Luzern
    • 6. Platz Finale A | Männer-Doppelvierer (M4x) | Weltcup I – Varese
  • Beruf: Sportwissenschaftler

 

 

Interview für "Mülheim macht Sport" mit Benjamin Göntgen

Hier erscheint in Kürze das Interview mit Benjamin Göntgen.