MSB, Stadt Mülheim an der Ruhr und AWO: gemeinsam gegen sexualisierte Gewalt im Sport

Kinder, Jugendliche und Erwachsene vor sexualisierter Gewalt im Sport zu schützen, ist für die Verantwortlichen im Mülheimer Sportbund (MSB) und in der Sportjugend im MSB von besonderer Bedeutung. Daher hat sich der MSB vor einiger Zeit auf den Weg gemacht, Mitglied im „Qualitätsbündnis Sport NRW“ zu werden, das sich gegen sexualisierte Gewalt im Sport in Nordrhein-Westfalen einsetzt. Nun steht die Aufnahme in das Qualitätsbündnis – eine gemeinsame Initiative des Landessportbundes NRW und der Staatskanzlei des Landes Nordrhein-Westfalen (NRW) – kurz bevor.

„Unser Ziel besteht darin, so schnell wie möglich alle Vorgaben des Landessportbundes NRW, die erfüllt werden müssen, um in das Qualitätsbündnis aufgenommen zu werden, umzusetzen. Die Aufgaben, die uns noch bevorstehen, sind zum einen die Erstellung eines Handlungskonzeptes, in dem wir im Detail erläutern, was der MSB im Bereich Schutz vor sexualisierter Gewalt im Sport konkret macht, welche Hilfestellungen er Vereinen in dem Zusammenhang gibt und wie im Verdachtsfall vorzugehen ist. Zum anderen erhalten die Mitarbeitenden in der MSB-Geschäftsstelle – wie auch alle Vorstandsmitglieder – noch eine ausführliche Schulung zu dem Thema“, erläutert die stellvertretende MSB-Vorsitzende Dr. Eva Selic.

Das Qualitätsbündnis verfolgt das Ziel, sexualisierter Gewalt im Sport wirksam vorzubeugen und diese zu bekämpfen. Dies gelingt über die gemeinsame Entwicklung von speziellen Kriterien und Maßnahmen zur Prävention und Intervention und der Verankerung selbiger innerhalb der Strukturen der Sportvereine bzw. -bünde und -verbände. „Wenn in einem Verein entsprechende Strukturen zu dem Thema vorhanden sind, ist das zweifelsohne ein Qualitätsmerkmal. Als Elternteil kann ich mir dann sicher sein, dass alles dafür getan wird, um die Kinder zu schützen. Das schafft ein gutes Gefühl“, betonen Dr. Eva Selic und Thomas Libera, der Vorsitzende der Sportjugend im Mülheimer Sportbund, die gemeinsam mit einer eigens dazu gegründeten AG die Prävention sexualisierter Gewalt konsequent verfolgen.

Um mit den Aktivitäten bestmögliche und noch dazu nachhaltige Effekte erzielen zu können, sind für alle Mitglieder im Qualitätsbündnis starke Partner von großer Bedeutung. Der Mülheimer Sportbund hat diese in Form der Stadt Mülheim an der Ruhr – und dort mit dem Jugendamt, speziell dem Kommunalen Sozialen Dienst – und der AWO Mülheim an der Ruhr gefunden: Gemeinsam setzen sich die Beteiligten dafür ein, für das Thema zu sensibilisieren, die Sportvereine in dem Themenfeld zu unterstützen und z. B. Übungsleiterinnen und Übungsleiter in den Bereichen Prävention und Intervention sexualisierter Gewalt im Sport fortzubilden.

„Unser Wunsch ist es, mehr Sensibilität für das Thema in der Bevölkerung zu erzielen – u. a. im Sport – und durch eine starke Präventionsarbeit Menschen gar nicht zum Täter werden zu lassen“, sagt Lydia Schallwig. Die Leiterin des Jugendamtes ergänzt: „Wir sind dankbar für jeden, der mit entsprechenden Hinweisen auf uns zukommt, und versuchen, denjenigen unseren Möglichkeiten entsprechend zu unterstützen.“

AWO-Geschäftsführerin Michaela Rosenbaum weist darauf hin, dass Aufklärungsarbeit und Fortbildungsmaßnahmen in diesem Themenfeld nicht allein den Sporttreibenden zugutekommen, sondern auch den Übungsleitungen mehr Handlungssicherheit verschaffen. „Wir wollen verhindern, dass beispielsweise Übungsleiterinnen und Übungsleiter durch ein Verhalten, welches möglicherweise gar nicht so intendiert ist, in Verdacht geraten. Wir bieten zudem an, dass jederzeit jemand aus unserer Beratungsstelle hinzugezogen werden kann, wenn z. B. ein Kind einer Vertrauensperson gegenüber äußert, dass es sich in einer Situation mit einer anderen Person unwohl gefühlt hat“, so Michaela Rosenbaum. Gute Erfahrungen macht die AWO Mülheim an der Ruhr bereits seit vielen Jahren mit dem „Ele-Phone“, einem Hilfetelefon für Kinder, Jugendliche und Erwachsene (kostenlose Rufnummer: 0800/666 777 6), die in irgendeiner Form von sexualisierter Gewalt betroffen sind. In den städtischen Sporthallen weisen seit einiger Zeit entsprechende Plakate auf das „Ele-Phone“ hin, sodass die Rufnummer sehr präsent ist.

Dr. Eva Selic hat beobachtet, dass sich inzwischen immer mehr Kinder, aber auch Eltern, trauen, von Auffälligkeiten zu berichten. Gleichzeitig schauten immer mehr Personen, die im organisierten Sport – hauptberuflich oder ehrenamtlich – tätig seien, genauer hin, wie der Umgang miteinander z. B. im Trainingsbetrieb oder bei Trainingslagern sei. „Durch die Schulungen, die wir durchführen werden, bekommen noch mehr Menschen vermittelt, was eben nicht ‚normal‘ ist“, meint die stellvertretende MSB-Vorsitzende.

Die Qualifizierung betrachtet auch Thomas Libera als wesentliche Maßnahme im Qualitätsbündnis: „Sich untereinander auszutauschen und aus den Erfahrungen anderer zu lernen, ist enorm wichtig. Mit dem Netzwerk haben wir ein hervorragendes Fundament dafür geschaffen. Für die Sportvereine wäre es kaum machbar, wenn sie sich ohne diese übergeordnete Struktur mit dem Thema befassen müssten“, so der Vorsitzende der Sportjugend im MSB.

„Ich bin Eva Selic sehr dankbar, dass sie sich gleich bei ihrem Amtsantritt im MSB-Vorstand dem Thema angenommen hat. Es stellt einen wichtigen Baustein in der Arbeit des MSB dar“, hebt der MSB-Vorsitzende Frank Esser hervor.

In den nächsten Monaten sollen die geschaffenen Strukturen verstärkt an die dem MSB angeschlossenen Sportvereine kommuniziert werden. Ansprechperson beim MSB bei Fragen zum Thema „Schutz vor sexualisierter Gewalt im Sport“ ist Karoline Kügler (Tel.: 30 850-37, E-Mail: karoline.kuegler@msb-mh.de).

Weitere Informationen über das Qualitätsbündnis im Sport in NRW finden sich auf der MSB-Website unter https://www.muelheimer-sportbund.de/vereine/praevention-sexualisierter-gewalt-im-sport sowie auf der Website des Landessportbundes NRW unter https://www.lsb.nrw/unsere-themen/gegen-sexualisierte-gewalt-im-sport/qualitaetsbuendnis.

Claudia Pauli (Pressesprecherin MSB)

V.l.: Frank Esser (MSB), Michaela Rosenbaum (AWO), Carsten Welp (AWO), Dr. Eva Selic (MSB), Marc Heiderhoff (Stadt Mülheim an der Ruhr), Peter Porkristl (Stadt Mülheim an der Ruhr), Lydia Schallwig (Stadt Mülheim an der Ruhr), Karoline Kügler (MSB), Thomas Libera (MSB). Foto: Claudia Pauli.