Klingende Zeitreise

Ist das Geheimnis des Glockenklanges gelöst? Eine Studienfahrt war für 16 Frauenvertreterinnen von Mülheimer Sportvereinen ein Tag zum Entdecken und Lernen. Leider konnte Monika Heinrichsmeyer, die Frauenbeauftragte des Mülheimer Sportbundes (MSB), aus privaten Gründen nicht an dieser Fahrt teilnehmen.

In der Glocken- und Kunstguss-Manufaktur in Gescher erfuhren sie, dass der Glockengießer mit jahrhundertelang gehüteten Kenntnissen nach Ton, Durchmesser und Gewicht die „Rippe" errechnet. Dieses Profil der künftigen Glocke zeichnet er auf Holz und schneidet die Schablone aus. Das Werkzeug nutzt sein Team zum Bau eines Kerns aus Ziegeln und eines Modells, der sogenannten „falschen Glocke". Das Abbild erhält eine Trennschicht aus Fett, auf die Verzierungen und Schriften aus Wachs aufgesetzt werden. Nun fertigt das Team den sogenannten „Mantel", der alle Verzierungen im Negativ zeigt. Beim Guss wird der Hohlraum zwischen Mantel und Kern mit Bronze gefüllt. Mit einer Stimmgabel testet der Gießer später, ob die gegossene Glocke den gewünschten Klang hat oder nachgearbeitet werden muss.

„Ich hätte mir nicht vorstellen können, dass​ Glockenguss so interessant sein kann", sagten einige Damen vom Frauenausschusses des MSB nach dem Besuch des benachbarten westfälischen Glockenmuseums. Führung, Filme und Fotodokumente geben hier Einblick in ein (fast) unbekanntes Handwerk. Hörprobe im Museum auf der Glockenstraße: Auch nach 700 Jahren kann der Klang einer Glocke noch elektrisierend sein.

Angela Krings

Foto: 16 Frauenvertreterinnen nahmen an der Studienfahrt nach Gescher teil. Foto: Frauenausschuss im MSB.