Auf dem Weg nach Tokio - Olympionik*innen erzählen

Die Stadt Mülheim an der Ruhr war bei den Olympischen Sommerspielen in Tokio/Japan (23. Juli bis 8. August 2021) sehr gut vertreten: durch Athlet*innen im Badminton, Hockey, Rudern und Schwimmen sowie durch einen Hockey-Schiedsrichter. „Mülheim macht Sport“ stellt die Mülheimer Olympiateilnehmer*innen auf dieser Seite vor.

„Badminton ist extrem vielfältig!“

Mit ihren gerade einmal 23 Jahren zählt Badmintonspielerin Yvonne Li zu den „Youngsters“ im „Team Deutschland“, das bei den Olympischen Sommerspielen in Tokio/Japan (23. Juli bis 8. August 2021) antritt. Die 32-malige Nationalspielerin, die im Deutschen Badminton-Zentrum (DBZ) an der Südstraße trainiert und für den SC Union Lüdinghausen in der 1. Badminton-Bundesliga aufschlägt, qualifizierte sich 2021 erstmalig für das prestigeträchtigste Großereignis der Welt. Im Interview mit „Mülheim macht Sport“ erläutert Yvonne Li u. a., was sie an der Sportart Badminton fasziniert, welche Erwartungen sie an das Multisportevent hat und was in ihrem Koffer für Tokio keinesfalls fehlen darf.

Mülheim macht Sport: „Mit welchen Gefühlen blickst Du auf die bevorstehenden Olympischen Spiele?“

Yvonne Li: „Es gibt einem nicht das tollste Gefühl, wenn man aus den Medien nur Contra-Olympia-Stimmen hört. Man selbst hofft so sehr, dass die Olympischen Spiele stattfinden. Aber rational betrachtet, bergen die Olympischen Spiele natürlich ein großes Gefahrenpotenzial. Man wird sich vor Ort vermutlich gar nicht wirklich frei fühlen, aber selbst unter diesen Bedingungen würde ich super gerne dort spielen.“

Mülheim macht Sport: „In welcher Disziplin wirst Du in Tokio an den Start gehen?“

Yvonne Li: „Im Dameneinzel.“

Mülheim macht Sport: „Worauf freust Du Dich besonders, wenn Du an Olympia in Tokio denkst? Und andererseits: Was betrübt Dich ggf. besonders, wenn Du an Olympia in Tokio denkst?“

Yvonne Li: „Ich habe mich sehr auf das Flair gefreut, gerade auch im olympischen Dorf, wo alle Nationen zusammen sind und man andere Sportlerinnen und Sportler aus dem ‚Team Deutschland‘ trifft. Ich wollte auch gerne in andere Arenen reinschauen. Das wird aber wahrscheinlich eher restriktiv gehandhabt werden. Schade ist es natürlich auch, dass man Tokio nicht wirklich wird erleben können. Normalerweise bleibt man nach einem solchen Wettkampf noch ein paar Tage vor Ort. Diesmal müssen wir aber, glaube ich, schnell wieder abreisen, wenn wir verloren haben.“

Mülheim macht Sport: „Wie sieht Dein ‚Programm‘ bis Tokio aus? Hast Du bis dahin noch Wettkämpfe?“

Yvonne Li: „Das Turnier ist natürlich eines, auf das man sich akribisch vorbereitet. Das ist der absolute Höhepunkt und ich hoffe, dass ich richtig fit bin. Ich spiele vorher kein internationales Turnier mehr, es steht allerdings Bundesliga an.“

Mülheim macht Sport: „Was darf in Deinem Koffer, den Du für Tokio packst, keinesfalls fehlen? Hast Du z. B. ein Maskottchen oder einen Glücksbringer, das bzw. der Dich zu allen besonders wichtigen Wettkämpfen begleitet?“

Yvonne Li: „Einen richtigen Glücksbringer habe ich nicht, aber vielleicht bekomme ich ja noch einen ...“

Mülheim macht Sport: „Was fasziniert Dich an der Sportart Badminton?“

Yvonne Li: „Ich habe immer das Bestreben, das Beste aus mir rauszuholen – und ich finde Wettkämpfen total spannend. Mein Wunsch ist es, Badminton irgendwann auf dem höchstmöglichen Niveau auszuüben. Es haben nicht viele Menschen die Möglichkeit, Sport auf Weltklasseniveau auszuüben. Ich scheine dafür ein gewisses Talent und auch Fleiß zu haben. Badminton ist extrem vielfältig. Das bezieht sich nicht nur auf sportliche Fähigkeiten, sondern es bietet auch Gemeinschaft – u. a. durch die Disziplinen Doppel und Mixed, Teamevents oder wenn man in der Jugend mit dem Verband als Gruppe zu Turnieren fährt. Spaß bringen auch die Lehrgänge und Camps mit sich. Obwohl Badminton eine Individual-Sportart ist, ist der Gruppengedanke dabei. Badminton ist eine richtige Sportgemeinschaft, eine kleine Familie. Wer im Badminton gut sein möchte, braucht alles ein bisschen. Gleichzeitig hat jeder seine Stärken. So gibt es in der Weltklasse ganz viele unterschiedliche Spielertypen.“

Mülheim macht Sport: „Wenn Dich eine junge Sportlerin fragt, was man benötigt, um solch eine hervorragende Badmintonspielerin zu werden, wie Du eine bist. Was antwortest Du ihr?“

Yvonne Li: „Ganz wichtig ist Fleiß! Man muss im Badminton sehr, sehr viel trainieren. Man benötigt z. B. ein gutes Ballgefühl und die Auge-Hand-Koordination sollte einem nicht zu schwerfallen.“

Mülheim macht Sport: „Wie viele Trainingseinheiten absolvierst Du pro Woche?“

Yvonne Li: „Das sind insgesamt ca. neun Einheiten. Außer mittwochs trainiere ich an jedem Wochentag zweimal. Am Wochenende lege ich zusätzlich mindestens eine Einheit ein – Krafttraining oder Laufen.“

Mülheim macht Sport: „Weißt Du schon, welche Outfits Ihr als ‚Team Deutschland‘ für Tokio erhalten werdet?“

Yvonne Li: „Ich habe einige Bilder von der Einkleidung gesehen. Die sahen ganz cool aus.“

Mülheim macht Sport: „Ist für Dich schon ‚greifbar‘, dass Du bald zum ‚Team Deutschland‘ zählen und in wenigen Wochen Deutschland bei den Olympischen Spielen vertreten wirst?“

Yvonne Li: „Dass ich zum ‚Team Deutschland‘ gehöre, schon. Aber dass ich bald bei den Olympischen Spielen sein werde, noch nicht wirklich.“

Mülheim macht Sport: „Hast Du schon einmal ein Turnier in Japan bestritten?“

Yvonne Li: „Nein, noch nie. Ich war zwar schon einmal dort, bin aber seinerzeit als zweite Nachrückerin nicht ins Starterfeld gekommen. Ich finde das Land sehr faszinierend. Ich habe meinen Bruder in Japan besucht, als er dort ein Auslandssemester absolviert hat. Das war eine der coolsten Woche, die ich erlebt habe.“

Mülheim macht Sport: „Herzlichen Dank für das Gespräch und weiterhin gute Vorbereitungen auf Tokio und dann natürlich vor Ort tolle Erlebnisse!“

„Ich freue mich auf spannende Wettkämpfe!“

Nachdem Schwimmer Damian Wierling 2016 in Rio de Janeiro/Brasilien seine Olympiapremiere feiern durfte, wird der heute 25-Jährige 2021 in Tokio seine zweiten Olympischen Spiele erleben. Im Interview mit „Mülheim macht Sport“ erläutert der Mülheimer, der für die SG Essen startet, u. a., was ihn an der Sportart Schwimmen fasziniert, welche Erwartungen er an das Multisportevent in der japanischen Hauptstadt hat (23. Juli bis 8. August 2021) und was in seinem Koffer für Tokio keinesfalls fehlen darf.

Mülheim macht Sport: „Wie hast Du die Olympiaqualifikation erlebt? Ursprünglich sollten die Olympischen Spiele ja bereits im Jahr 2020 ausgetragen werden, doch wegen der Corona-Pandemie wurden sie bekanntlich verschoben.“

Damian Wierling: „Es war ein bisschen ein Auf und Ab. Da ich 2020 nicht zu 100 % fit war, war die Verlegung der Olympischen Spiele für mich eigentlich ganz gut passend.“

Mülheim macht Sport: „In welchen Disziplinen wirst Du in Tokio an den Start gehen?“

Damian Wierling: „Über 100 m Freistil, in der 4x100-m-Freistil-Staffel und in der Lagen-Staffel.“

Mülheim macht Sport: „Worauf freust Du Dich besonders, wenn Du an Olympia in Tokio denkst? Und andererseits: Was betrübt Dich ggf. besonders, wenn Du an Olympia in Tokio denkst?“

Damian Wierling: „Es ist schade, dass die Zuschauerzahlen nicht so hoch sein werden. Ich freue mich aber auf unverändert spannende Wettkämpfe und hoffe, dass auch das Feeling im olympischen Dorf so sein wird, wie ich es kenne.“

Mülheim macht Sport: „Wie sieht Dein ‚Programm‘ bis Tokio aus? Hast Du bis dahin noch Wettkämpfe?“

Damian Wierling: „Ja, am ersten Juni-Wochenende finden die Deutschen Meisterschaften im Rahmen der ‚Finals‘ statt. Der Wettkampf liegt mitten in der Trainingsphase für Tokio, sodass ich auch meinen aktuellen Trainingsplan mit nach Berlin nehmen und dort auch auf Nebenstrecken an den Start gehen werde. Ende Juni fliegen wir nach Rom, wo wir noch einen schönen Wettkampf absolvieren, ehe es von dort in ein zehntägiges Trainingslager, vermutlich auf Teneriffa, geht.“ 

Mülheim macht Sport: „Was darf in Deinem Koffer, den Du für Tokio packst, keinesfalls fehlen?“

Damian Wierling: „Ich nehme immer mein Kopfkissen mit. Ich bin ein Bauchschläfer und benötige ein kleines und handliches Kissen. Guter Schlaf ist im Hinblick auf Wettkämpfe immer mit das Wichtigste.“

Mülheim macht Sport: „Wie sieht es diesbezüglich mit speziellen Lebensmitteln aus?“

Damian Wierling: „Ich habe schon meine eigenen kleinen Nahrungsergänzungsmittel, die ich mitnehme, aber ansonsten verlasse ich mich auf die Mensa. Ich werde auch versuchen, mein Frühstück mitzunehmen, aber für einen Zeitraum von drei Wochen ist das nicht so einfach. Ich werde es mir einteilen für die wichtigen Tage.“

Mülheim macht Sport: „Hast Du auch ein Maskottchen, das Dich zu allen besonders wichtigen Wettkämpfen begleitet?“

Damian Wierling: „Ja, ich habe einen kleinen Gepard. ‚Gepard‘ ist ein bisschen mein Spitzname geworden.“ 

Mülheim macht Sport: „Hast Du bestimmte Rituale, mentale Techniken o. Ä., mit denen Du Dich auf einen unmittelbar bevorstehenden Wettkampf vorbereitest? Falls ja, welche sind das?“

Damian Wierling: „Ich versuche vor einem Wettkampf immer, in einen State of Mind zu kommen, wo alles drumherum unwichtig ist. Ich habe ein bestimmtes Pre Race-Programm und in dem Zusammenhang lässt sich mit einem Maskottchen gut arbeiten – als Träger für Emotionen. Ich habe einen festen Ablauf, z. B. bestehend aus Einschwimmen, Badehose anziehen, Kaffee trinken etc.“ 

Mülheim macht Sport: „Was fasziniert Dich an der Sportart Schwimmen?“

Damian Wierling: „Schwimmen besteht aus drei schönen Komponenten: Kraft, Ausdauer und Technik. Es muss immer alles vorhanden sein, um vorwärts zu kommen. Außerdem benötigt man u. a. ein Auge fürs Detail. Es wird grundsätzlich nie langweilig, man kann immer etwas trainieren.“

Mülheim macht Sport: „Wenn Dich ein junger Sportler fragt, was man ‚benötigt‘, um solch ein Weltklasseschwimmer zu werden, wie Du einer bist. Was antwortest Du ihm?“

Damian Wierling: „Ich würde ihm sagen, dass eben immer alle drei Komponenten wichtig sind, wobei mit zunehmendem Alter vor allem Ausdauer und Technik eine Rolle spielen. Man muss Verständnis für die Sportart erlangen und seine eigene Technik entwickeln.“

Mülheim macht Sport: „Wie viele Trainingseinheiten absolvierst Du pro Woche?“

Damian Wierling: „Aktuell sind es neun Wassereinheiten und drei Krafteinheiten.“

Mülheim macht Sport: „Herzlichen Dank für das Gespräch und weiterhin gute Vorbereitungen auf Tokio und dann natürlich vor Ort tolle Erlebnisse!“

„Ohne meine Eltern wäre ich nicht da, wo ich bin!“

Auch im Herreneinzel gelang es einem Badmintonass, das im Deutschen Badminton-Zentrum (DBZ) an der Südstraße trainiert und in Mülheim an der Ruhr wohnt, sich für die Olympischen Spiele in Tokio/Japan (23. Juli bis 8. August 2021) zu qualifizieren: Kai Schäfer, der in der 2. Badminton-Bundesliga für den hessischen Verein SV Fun-Ball Dortelweil um Punkte spielt. Im Interview mit „Mülheim macht Sport“ erläutert der 27-Jährige, u. a., was ihn an der Sportart Badminton fasziniert und welche Erwartungen er an das Multisportevent in der japanischen Hauptstadt hat.

Mülheim macht Sport: „Wie ist das Gefühl, – vorbehaltlich der Nominierung durch den Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) – in wenigen Wochen bei den Olympischen Spielen an den Start gehen zu dürfen?“ 

Kai Schäfer: „Ich bin sehr glücklich, dass ich dabei bin!“

Mülheim macht Sport: „Wie hast Du die Olympiaqualifikation erlebt? Im Badminton verlief die Qualifikationsphase wegen der Corona-Pandemie ja zweigeteilt: von April 2019 bis März 2020 und von Januar bis Mai 2021.“

Kai Schäfer: „Wenn ich darüber nachdenke, war es schon eine sehr spezielle Zeit. Als ich in die Olympiaquali gestartet bin, war ich die Nummer 115 der Welt und hatte nicht die beste Phase in meiner Karriere. Ich habe es einfach probiert und hatte keinen Erwartungsdruck. Ich habe mein Bestes gegeben und freue mich natürlich, dass es geklappt hat.“

Mülheim macht Sport: „Hast Du spezielle Erwartungen an die Olympischen Spiele? Falls ja, welche sind das?“

Kai Schäfer: „An das Erlebnis Olympische Spiele hat man theoretisch schon Erwartungen, wenn man sich mit Leuten unterhält, die schon Olympische Spiele erlebt haben. Aber es wird diesmal natürlich anderes sein als sonst. Bezogen auf den Sport habe ich die Erwartung, in Tokio meine bestmögliche Leistung abzurufen.“

Mülheim macht Sport: „Wie sieht Dein ‚Programm‘ bis Tokio aus? Hast Du bis dahin noch Wettkämpfe?“

Kai Schäfer: „Ich werde Mitte Juni noch ein Turnier in Spanien bestreiten, um im Rhythmus zu bleiben. Auf dem Turnier liegt allerdings nicht so sehr der sportliche Fokus, da ich mich mitten in einer harten Trainingsphase befinde. Dass die Vorbereitung auf ein Event zwei Monate vorher beginnt, erlebe ich anlässlich der Olympischen Spiele zum ersten Mal in der Form.“ 

Mülheim macht Sport: „Wann stand fest, dass Du Dich für Tokio qualifiziert hast?“

Kai Schäfer: „Nach der EM (Anm. d. Red.: Ende April/Anfang Mai in Kiew/Ukraine) war absehbar, dass es reichen würde. Nach Portugal (Anm. d. Red.: Anfang Mai in Caldas da Rainha/Portugal) war ich noch sicherer. Es war nur noch die Frage, ob die Turniere in Asien, die danach noch im Rahmen der Olympiaqualifikation vorgesehen waren, stattfinden würden. Am Tag der Absage dieser Turniere (Anm. d. Red.: aufgrund der Corona-Pandemie) war die Qualifikation dann fix.“

Mülheim macht Sport: „Auf was freust Du Dich besonders, wenn Du an Tokio denkst?“

Kai Schäfer: „Ich hoffe, es gibt gutes Essen … (lacht). Ich mag die japanische Küche sehr. Ich fände es außerdem extrem cool, nach meinen Wettkämpfen andere Sportarten anzuschauen. Aber das wird wohl in diesem Jahr nicht möglich sein. Ich bin daher gespannt, was von dem, was Olympische Spiele ausmacht, erhalten bleibt. Ich kenne z. B. das Dorfleben von der Universiade, wo auch rund 12.000 Athletinnen und Athleten zusammenkommen. Die Atmosphäre dort hat mir unheimlich gut gefallen.“

Mülheim macht Sport: „Was bedauerst Du besonders, wenn Du an Tokio denkst?“

Kai Schäfer: „Ich finde es extrem schade, dass meine Familie nicht vor Ort zusehen kann. Ohne meine Eltern wäre ich nicht da, wo ich bin, und sie haben immer gesagt, wenn ich einmal bei den Olympischen Spielen dabei wäre, kämen sie vorbei. Wenn gar keine Zuschauerinnen und Zuschauer zugelassen würden, auch keine einheimischen, fände ich das auch sehr schade. Und ich bedauere, dass ich wohl nicht das Basketball-Dream Team der USA sehen kann.“

Mülheim macht Sport: „Was darf in Deinem Koffer, den Du für Tokio packst, keinesfalls fehlen? Hast Du z. B. einen speziellen Glücksbringer, der Dich immer begleitet?“

Kai Schäfer: „Ich habe nicht den einen Glücksbringer. Ich trage wohl immer ein Armband und eine Kette.“

Mülheim macht Sport: „Hast Du ein bestimmtes Motto, nach dem Du Badminton spielst? Falls ja: Welches ist das?“

Kai Schäfer: „Ich habe zwar einige Leitmotive, aber kein richtiges Motto. Mir sind gewisse Grundwerte wichtig, z. B. nehme ich mir vor, mit Leidenschaft zu spielen und eine gewisse Spielfreude zu vermitteln.“

Mülheim macht Sport: „Hast Du bestimmte Rituale, mentale Techniken o. Ä., mit denen Du Dich auf einen unmittelbar bevorstehenden Wettkampf vorbereitest? Falls ja, welche sind das?“

Kai Schäfer: „Vor dem Warmmachen mache ich immer einige Atemübungen. Das dauert nicht lang, nur etwa 3-5 Minuten, aber es hilft mir dabei, alles andere auszublenden.“ 

Mülheim macht Sport: „Hast Du schon einmal ein Turnier in Tokio bestritten?“

Kai Schäfer: „Nein, ich werde zum ersten Mal dort sein – übrigens auch in Japan.“

Mülheim macht Sport: „Was fasziniert Dich an der Sportart Badminton?“

Kai Schäfer: „Badminton wird vor allem in Europa sehr unterschätzt, was die Anforderungen betrifft. Ich mag insbesondere die Vielseitigkeit: Man muss schnell sein, Kraft haben, man benötigt Ballgefühl, man muss schnell Entscheidungen treffen und eine extreme mentale Stärke haben. Badminton vereint alles.“

Mülheim macht Sport: „Wenn Dich ein junger Sportler fragt, was man ‚benötigt‘, um solch ein Weltklassespieler zu werden, wie Du einer bist. Was antwortest Du ihm?“

Kai Schäfer: „Man muss ziemlich fleißig sein. Badminton ist eine sehr trainingsintensive Sportart, bei der viel Disziplin erforderlich ist.“

Mülheim macht Sport: „Wie viele Trainingseinheiten absolvierst Du pro Woche?“

Kai Schäfer: „Ich habe 9-10 Halleneinheiten. Insgesamt spiele ich ca. 20 Stunden in der Woche Badminton. Hinzu kommen Krafttraining etc.“

Mülheim macht Sport: „Hast Du Dir schon einen Eindruck von der offiziellen Bekleidung verschaffen können, die für das ‚Team Deutschland‘ entworfen wurde? Falls ja: Wie gefällt sie Dir?“

Kai Schäfer: „Ich habe mir im Internet einige Teile aus der Kollektion angeschaut, sie gefällt mir ganz gut. Vor allem finde ich es gut, dass viele Sachen farblich die deutsche Flagge symbolisieren. Auch die Teile, die mintgrün sind, finde ich schön.“

Mülheim macht Sport: „Auf was wirst Du im ‚Endspurt‘ auf Olympia besonders achten?“

Kai Schäfer: „Ich werde bald 28 und befinde mich damit in der Phase, in der es darum geht, das, was ich bislang gelernt habe ich meinem Badminton-Leben, so zu vereinen, dass so viel wie möglich klappt. Bei dem harten Training muss ich außerdem gut regenerieren, d. h., gut auf meinen Körper achten. Das betrifft u. a. die Ernährung und das Schlafen.“

Mülheim macht Sport: „Herzlichen Dank für das Gespräch und weiterhin gute Vorbereitungen auf Tokio und dann natürlich vor Ort tolle Erlebnisse!“

„Ich glaube, es wird ein tolles Fest!“

Wenn es vom 24. bis zum 30. Juli 2021 in Tokio um die olympischen Medaillen im Rudern geht, ist auch ein Mülheimer am Start: Jonathan Rommelmann, der für den Crefelder Ruder-Club antritt, hat mit Jason Osborne (Mainzer Ruder-Verein) im Leichtgewichts-Doppelzweier gute Chancen auf eine vordere Platzierung. Im Interview mit „Mülheim macht Sport“ erläutert der 26-Jährige, u. a., was ihn an der Wassersportart fasziniert und welche Erwartungen er an das Multisportevent in der japanischen Hauptstadt hat.

Mülheim macht Sport: „Wann stand fest, dass Du in Tokio dabei sein wirst?“

Jonathan Rommelmann: „Wir haben uns im Rahmen der Weltmeisterschaften 2019 qualifiziert, bei der wir die Bronzemedaille – und damit die erste WM-Medaille für Deutschland seit 20 Jahren in dieser Bootsklasse – gewonnen haben. Da wir zudem 2019 zuvor bereits den EM-Titel geholt hatten, stand relativ zügig nach der WM fest, dass wir in Tokio antreten dürfen und auch keine nationale Qualifikation mehr erforderlich ist. Die offizielle Nominierung steht allerdings noch aus (Anm. d. Red.: Diese ist inzwischen erfolgt.).“

Mülheim macht Sport: „Wie sieht Dein ‚Programm‘ bis Tokio aus? Hast Du bis dahin noch Wettkämpfe?“

Jonathan Rommelmann: „Wir fahren am 6. Juni (Anm. d. Red.: Das Interview wurde kurz vor der Abreise geführt) nach Kärnten in ein Vorbereitungs-Trainingslager und haben anschließend keine Wettkämpfe mehr. Wir haben bewusst den letzten Wettkampf, in Italien, ausgelassen – das wäre zu viel gewesen. So passt es vom Aufbau her besser.“ 

Mülheim macht Sport: „Du wohnst in Mülheim an der Ruhr, Dein Ruderpartner in Mainz. Wie läuft da das Training ab?“

Jonathan Rommelmann: „Mein Partner kommt ursprünglich aus Dorsten, er lebt aber seit ca. neun Jahren in Mainz. Normalerweise stehen viele Trainingslager an, sodass wir relativ oft zusammen trainieren können. In der Pandemiephase war das alles natürlich ein wenig anders, da haben wir uns speziell verabredet, aber auch relativ viel alleine trainiert. D. h., wir sind viel im Einer gefahren und haben uns vor einem Wettkampf wiedergetroffen, um uns in Krefeld oder Mainz gemeinsam darauf vorzubereiten.“

Mülheim macht Sport: „Hast Du spezielle Erwartungen an die Olympischen Spiele? Falls ja, welche sind das – gerade auch vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie?“ 

Jonathan Rommelmann: „Für mich sind es die ersten Olympischen Spiele, was evtl. ein Vorteil ist: Ich kenne eben keine anderen Olympischen Spiele und kann somit auch keinen Negativvergleich ziehen. Ich empfinde die Berichterstattung teilweise als ein bisschen anstrengend, sie ist sehr negativ. Ich freue mich sehr auf Tokio. Vor allem werde ich das tun, wenn ich Ende Juni im Flieger sitze. Ich glaube, es wird trotzdem eine tolle Veranstaltung, ein tolles Fest. Ich hoffe, dass vielleicht einheimische Zuschauer*innen zugelassen werden.“

Mülheim macht Sport: „Welches sportliche Ziel habt Ihr Euch gesetzt?“

Jonathan Rommelmann: „Wir sind derzeit gut unterwegs und hoffen darauf, mit einer Medaille nach Hause zu kommen – und im Idealfall zu gewinnen. Ein Medaillengewinn ist in jedem Fall realistisch. Die Iren sind große Anwärter auf den Olympiasieg.“

Mülheim macht Sport: „Hast Du bestimmte Rituale, mentale Techniken o. Ä., mit denen Du Dich auf einen unmittelbar bevorstehenden Wettkampf vorbereitest? Falls ja, welche sind das?“

Jonathan Rommelmann: „Als Leichtgewicht hat man zwangsläufig ein Ritual: Zwei Stunden vor dem Start müssen wir auf die Waage. Damit fängt die Ritualisierung an. Ich habe danach immer sehr ähnliche Abläufe, was z. B. die Ernährung anbelangt. Aber ich höre auch immer beim Warmlaufen dieselbe Playlist, mache bestimmte Dehnübungen etc. Genauso gehört dazu, dass man sich kurz vor dem Rennen einklatscht. Hier haben sich somit durchaus Rituale eingespielt.“ 

Mülheim macht Sport: „Was fasziniert Dich an der Sportart Rudern?“

Jonathan Rommelmann: „Rudern ist eine unglaublich schöne Sportart! Die Stimmung und das Umfeld sind super, alle sind unheimlich nett. Auch in Mülheim werde ich immer super aufgenommen, wir sind eine große Familie. Rudern ist für jeden etwas: Du kannst z. B. alleine in Deinem Boot den Sonnenaufgang genießen, aber auch im Team rudern. Genauso bietet Rudern Sprintrennen und Langdistanzen. Rudern ist ein sehr technischer Sport, aber natürlich ist auch die Kraftkomponente sehr wichtig. Wenn die Ampel auf Grün springt, muss man zu 100 Prozent da sein – das macht mir viel Spaß.“

Mülheim macht Sport: „Wie bist Du zum Rudern gekommen?“

Jonathan Rommelmann: „Ganz früher habe ich Hockey gespielt. Als ich ca. zehn bis zwölf Jahre war, hat mir das nicht mehr so viel Spaß gemacht. Über meine Mutter bin ich dann zum Rudern gekommen. Sie hat eine Gruppe von Freundinnen, in der sie als Breitensportlerin rudert. Sie hat sozusagen den Anstoß gegeben, dass ich zum Kindertraining gegangen bin.“

Mülheim macht Sport: „Wann reist Ihr nach Tokio?“

Jonathan Rommelmann: „Wir werden bereits Ende Juni nach Japan fliegen, um ca. 500 km von Tokio entfernt ein vorbereitendes Trainingslager durchzuführen. Dabei geht es auch um Klimaadaption und darum, sich an die Zeitzone anzupassen. Am 18. Juli ziehen wir dann ins olympische Dorf ein, am 23. Juli findet die Eröffnungsfeier statt und meinen ersten Vorlauf habe ich am 24. Juli.“ 
 
Mülheim macht Sport: „Hast Du Dir schon einen Eindruck von der offiziellen Bekleidung verschaffen können, die für das ‚Team Deutschland‘ entworfen wurde? Falls ja: Wie gefällt sie Dir?

Jonathan Rommelmann: „Ich habe mir die Präsentation angeschaut. Die Teile, die ich dabei gesehen habe, finde ich ganz cool. Die Koffer mit der Einkleidung werden verschifft und im olympischen Dorf deponiert. Da wir vorher ja schon im Trainingslager sind, werde ich vor Ort dann wohl mehrere Koffer haben …“

Mülheim macht Sport: „Herzlichen Dank für das Gespräch und weiterhin gute Vorbereitungen auf Tokio und dann natürlich vor Ort tolle Erlebnisse!“

„Ich habe eine tierische Vorfreude!“

Im Hockey ist die Stadt Mülheim an der Ruhr bei den Olympischen Spielen in Tokio am besten vertreten: Gleich vier Spieler und eine Spielerin zählen zum „Team D“ des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), alle sind beim HTC Uhlenhorst aktiv. Dem Quintett gehört u. a. Lukas Windfeder an. Im Interview mit „Mülheim macht Sport“ erläutert der 26 Jahre alte frischgebackene Vizeeuropameister mit der deutschen Hockey-Nationalmannschaft, u. a., was ihn an der Sportart Hockey fasziniert und welche Erwartungen er an das Multisportevent in der japanischen Hauptstadt hat.

Mülheim macht Sport: „Wie ist das Gefühl, in wenigen Wochen bei den Olympischen Spielen an den Start gehen zu dürfen? Welche Erwartungen hast Du an Olympia in Tokio?“ 

Lukas Windfeder: „Ich habe eine tierische Vorfreude! Das sind meine ersten Olympischen Spiele, daher bin ich, was die Erwartungen anbelangt, total befreit. Ich freue mich, dabei zu sein und mit den Jungs nach Tokio fliegen zu dürfen.“

Mülheim macht Sport: „Welche sportlichen Ziele habt Ihr Euch gesetzt?“ 

Lukas Windfeder: „Wir wollen um die Medaillen mitspielen und in Tokio unsere Bestleistung abrufen.“

Mülheim macht Sport: „Was bedauerst Du besonders, wenn Du an Tokio denkst?“

Lukas Windfeder: „Es ist sehr schade, dass keine ausländischen Zuschauer*innen dabei sein dürfen. Gerade wenn man für den Traum von Olympia länger gearbeitet hat, hätten viele aus dem Familien- und Freundeskreis die Reise auf sich genommen. Wenn das Stadion voll ist, schafft dies eine ganz andere Atmosphäre. Aber wir können froh sein, dass die Olympischen Spiele überhaupt stattfinden.“

Mülheim macht Sport: „Was darf in Deinem Koffer, den Du für Tokio packst, keinesfalls fehlen? Hast Du z. B. einen speziellen Glücksbringer, der Dich immer begleitet?“

Lukas Windfeder: „Früher, als Junge, hatte ich immer eine Süßigkeitenbox mit sauren Zungen dabei. Damit ziehen mich die Jungs immer noch auf … Es gibt ein paar Sachen, die einfach dazu gehören, um auf dem Zimmer entspannen zu können. Das sind z. B. Adiletten und eine Musikbox.“

Mülheim macht Sport: „Hast Du Dir schon einen Eindruck von der offiziellen Bekleidung verschaffen können, die für das ‚Team D ‘ entworfen wurde? Falls ja: Wie gefällt sie Dir?“

Lukas Windfeder: „Ich habe mir die Kollektion nur oberflächlich angeschaut, weil ich mir den Moment der Einkleidung nicht nehmen lassen möchte. Das, was ich gesehen habe, sah ganz cool aus.“

Mülheim macht Sport: „Wann stand fest, dass Dich der Deutsche Hockey-Bund dem Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) zur Nominierung vorschlagen wird? Und wie was das Gefühl, als Du davon erfahren hast?“

Lukas Windfeder: „Wir waren alle zusammen in Hamburg beim Nominierungs-Lehrgang und haben uns zum Abschluss in der Halle getroffen, wo der Bundestrainer die Nominierung bekannt gegeben hat. Ich habe in der Nationalmannschaft eine ganz gute Entwicklung genommen, seit Kais al Saadi vor rund anderthalb Jahren als Bundestrainer begonnen hat, daher hatte ich durchaus ein gutes Gefühl. Trotzdem war die Anspannung hoch – denn es konnte ja in Sekundenschnelle ein Traum zerstört werden oder sich erfüllen. Entsprechend groß war die Erleichterung, als feststand, dass ich zum Team gehöre.“

Mülheim macht Sport: „Wie und wann bist Du zum Hockey gekommen?“

Lukas Windfeder: „Mein Vater hat Hockey gespielt, mein Onkel hat Hockey gespielt, da war dies eigentlich naheliegend. Als kleiner Junge habe ich auch noch Fußball gespielt, aber beides ging irgendwann nicht mehr. Da mir Hockey immer viel Spaß gemacht hat, bin ich dabeigeblieben. Ich habe mit ca. sechs Jahren mit Hockey angefangen.“

Mülheim macht Sport: „Was fasziniert Dich an der Sportart Hockey?“

Lukas Windfeder: „Die Kombination aus Athletik und Teamsport – dass man zusammen etwas erreicht – gefällt mir sehr gut. Für mich stand immer das Team im Vordergrund, es hat mir sehr viel gegeben. Hinzu kommt die technische Komponente durch den Umgang mit Schläger und Ball. Das alles trägt dazu bei, dass mir Hockey unfassbar viel Spaß macht.“

Mülheim macht Sport: „Wenn Dich ein junger Sportler fragt, was man ‚benötigt‘, um solch ein Weltklassespieler zu werden, wie Du einer bist. Was antwortest Du ihm?“

Lukas Windfeder: „Die Arbeit steht im Hockey immer an erster Stelle. Man muss sich unfassbar viel erarbeiten, selbst wenn man sehr viel Talent hat.“

Mülheim macht Sport: „Wie viele Trainingseinheiten absolvierst Du pro Woche?“

Lukas Windfeder: „Aktuell habe ich zweimal am Tag Training. Man muss ja alles ‚unter einen Hut‘ bekommen: Schnelligkeit, Kraft, Ausdauer etc. Neben dem ‚normalen‘ Training auf dem Feld habe ich zudem noch extra Eckeneinheiten.“

Mülheim macht Sport: „Welche Pläne hast Du in beruflicher Hinsicht und wie lassen sich Berufsausbildung und Leistungssport für Dich vereinbaren?“

Lukas Windfeder: „Ich habe Jura studiert und kürzlich das 1. Staatsexamen abgelegt, sodass ich mich um mein Referendariat bewerben konnte, das ich nach Tokio antreten möchte. Es erfordert viel Selbstdisziplin, beides zu vereinbaren. Die Voraussetzung ist, dass es einem Spaß macht.“

Mülheim macht Sport: „Wie sieht Dein ‚Programm‘ bis Tokio aus? Hast Du bis dahin noch Turniere?“

Lukas Windfeder: „Wir sind nach der EM (4. bis 12. Juni 2021) ca. zehn bis zwölf Tage zuhause, ehe wir einen ca. 14-tägigen Lehrgang in Spanien absolvieren. Danach sind wir noch einmal ca. 10 Tage zuhause, dann geht es nach Tokio.“ 

Mülheim macht Sport: „Herzlichen Dank für das Gespräch und weiterhin gute Vorbereitungen auf Tokio und dann natürlich vor Ort tolle Erlebnisse!“

„Wichtig ist, seinen Stärken zu vertrauen!“

Im Hockey ist die Stadt Mülheim an der Ruhr bei den Olympischen Spielen in Tokio mit vier Spielern und einer Spielerin vertreten. Zu diesem Quintett zählt u. a. Timm Herzbruch, der 2021 zum zweiten Mal nach 2016 an dem prestigeträchtigen Großereignis teilnehmen darf. Im Interview mit „Mülheim macht Sport“ erläutert der 24-Jährige vom HTC Uhlenhorst, u. a., was ihn an der Sportart Hockey fasziniert und welche Erwartungen er an das Multisportevent in der japanischen Hauptstadt hat.

Mülheim macht Sport: „Wie ist das Gefühl, in wenigen Wochen erneut bei den Olympischen Spielen an den Start gehen zu dürfen? Welche Erwartungen hast Du an Olympia in Tokio?“ 

Timm Herzbruch: „Ich freue mich sehr auf die Olympischen Spiele und kann es kaum erwarten, bald in Tokio zu sein. Es werden wegen der Corona-Pandemie aber auch andere Spiele sein als zuvor. So werden wohl strengere Regeln und Maßnahmen gelten als sonst, um allen Beteiligten einen größtmöglichen Schutz zu bieten. Wir als Athleten halten uns streng an diese Maßnahmen und konzentrieren uns auf unsere Spiele.“

Mülheim macht Sport: „Was bedauerst Du besonders, wenn Du an Tokio denkst?“

Timm Herzbruch: „Es ist natürlich schade, dass Familie, Freunde, Fans und Touristen nicht nach Japan reisen dürfen. Aber als Sportler bin ich sehr froh, dass die Olympischen Spiele stattfinden können. Es wäre sehr bitter gewesen, wenn sie ausgefallen wären. Schließlich bereitet man sich als Sportler sehr lange darauf vor.“

Mülheim macht Sport: „Welches sportliche Ziel verfolgst Du in Tokio? In Rio de Janeiro hast Du ja bereits einen tollen Erfolg erzielt und mit dem deutschen Team die Bronzemedaille gewonnen.“ 

Timm Herzbruch: „Unser Ziel ist es, bei den Olympischen Spielen eine Medaille zu gewinnen. Wir haben in den vergangenen anderthalb Jahren als Mannschaft eine sehr gute Entwicklung hingelegt und haben gezeigt, was in uns steckt.“

Mülheim macht Sport: „Wie sieht Dein Zeitplan bis Tokio aus (Anm. d. Red.: Das Interview wurde Mitte Juni geführt)?“

Timm Herzbruch: „Am 24. Juni fahren wir zur Einkleidung für Olympia nach Köln, wo wir auch noch einen Laktattest machen. Am 25. Juni geht es dann nach Valencia (Anm. d. Red.: Spanien) ins Trainingslager. Dort bestreiten wir zudem Länderspiele gegen Spanien und Argentinien. Am 3. Juli erfolgt die Rückreise. Dann sind wir noch ca. zwei Wochen in Mülheim, ehe es am 26. Juli nach Tokio geht.“

Mülheim macht Sport: „Was darf in Deinem Koffer, den Du für Tokio packst, keinesfalls fehlen? Hast Du z. B. einen speziellen Glücksbringer, der Dich immer begleitet?“

Timm Herzbruch: „Es gibt eigentlich nichts, was unbedingt mit muss.“

Mülheim macht Sport: „Hast Du bestimmte Rituale, mentale Techniken o. Ä., mit denen Du Dich auf einen unmittelbar bevorstehenden Wettkampf vorbereitest? Falls ja, welche sind das?“

Timm Herzbruch: „Rituale in dem Sinne, dass man z. B. immer den linken Schuh zuerst anzieht, habe ich nicht. Aber als Sportler hat man natürlich bestimmte Abläufe, z. B. wie man sich aufwärmt, welches Dehnprogramm man absolviert etc. So kann ich mich immer gleich gut auf das Spiel vorbereiten.“

Mülheim macht Sport: „Wie und wann bist Du zum Hockey gekommen?“

Timm Herzbruch: „Durch meine Eltern. Sie haben beide Hockey gespielt – und auch deren Eltern waren begeisterte Hockeyspieler. Ich bin sozusagen in einer Hockeyfamilie aufgewachsen und habe über meine Familie automatisch viel Hockey miterlebt. Mein Vater war auch die ganze Jugend über mein Trainer (Anm. d. Red.: Arndt Herzbruch). Ich habe mit drei bis vier Jahren mit Hockey angefangen und direkt großes Interesse an der Sportart entwickelt. Ich bin sehr dankbar dafür, dass ich heute da bin, wo ich bin.“

Mülheim macht Sport: „Was fasziniert Dich an der Sportart Hockey?“

Timm Herzbruch: „Mir gefällt, dass Hockey ein Mannschaftssport ist. Außerdem mag ich die Kombination von Schläger und Ball. Beides hat mich von Anfang an gereizt und hat mir sehr viel Spaß gemacht.“

Mülheim macht Sport: „Du bist im Juni erst 24 Jahre alt geworden. Damit zählst Du vermutlich mit zu den jüngsten Spielern im deutschen Team?“

Timm Herzbruch: „Ja, ich gehöre den jüngeren Spielern an. Als ich 2016 in Rio de Janeiro zum ersten Mal bei den Olympischen Spielen dabei war, war ich mit Abstand der Jüngste.“

Mülheim macht Sport: „Wenn Dich ein junger Sportler fragt, was man ‚benötigt‘, um solch ein Weltklassespieler zu werden, wie Du einer bist. Was antwortest Du ihm?“

Timm Herzbruch: „Ich glaube, dass man in allem, was man macht, gut wird, wenn man Spaß daran hat. Ich kann nur jedem empfehlen, der Spaß an einer Sportart hat, dran zu bleiben. Irgendwann ist natürlich Disziplin gefordert und es bedeutet einen großen Aufwand, wenn man einen professionellen Weg einschlagen möchte. Wichtig bei allem ist aber, seinen Stärken zu vertrauen und selbstbewusst seine Ziele zu verfolgen.“

Mülheim macht Sport: „Hast Du Dir schon einen Eindruck von der offiziellen Bekleidung verschaffen können, die für das ‚Team D ‘ entworfen wurde? Falls ja: Wie gefällt sie Dir?“

Timm Herzbruch: „Ich habe mir einige Teile aus der Kollektion auf Instagram angesehen. Sie sahen ganz cool aus. Ich bin schon gespannt, was am 24. Juni auf mich zukommt.“

Mülheim macht Sport: „Du befindest Dich parallel sicherlich in der Berufsausbildung. Was machst Du genau?“

Timm Herzbruch: „Ich studiere Wirtschaftswissenschaften an der Fern-Uni Hagen. Nach der Hockeykarriere muss es ja auch weitergehen, d. h., man muss beruflich gut für die Zeit nach der aktiven Laufbahn aufgestellt sein. Dass ich an einer Fern-Uni studiere, kommt mir gelegen, weil ich durch den Sport viel unterwegs bin. Ein Präsenzstudium wäre damit nicht so gut zu vereinbaren. Ich bekomme von der Uni Skripte zugeschickt, die ich dann bearbeite, und kann selber planen, wann ich anfange zu lernen. Natürlich ist man bei solch einem Studium ein bisschen auf sich alleine gestellt, aber das kommt mir ganz gelegen.“

Mülheim macht Sport: „Herzlichen Dank für das Gespräch und weiterhin gute Vorbereitungen auf Tokio und dann natürlich vor Ort tolle Erlebnisse!“

„Athletik ist ein wichtiger Aspekt im Sport geworden!“

Zur deutschen Hockey-Nationalmannschaft der Herren, die bei den Olympischen Spielen in Tokio um die Medaillen spielen wird, zählt aus Mülheim an der Ruhr auch Benedikt Fürk. Der 32-Jährige vom HTC Uhlenhorst darf in diesem Jahr zum ersten Mal an dem prestigeträchtigen Großereignis teilnehmen und erläutert im Interview mit „Mülheim macht Sport“ u. a., was ihn an der Sportart Hockey fasziniert und welche Erwartungen er an das Multisportevent in der japanischen Hauptstadt hat.

Mülheim macht Sport: „Wie ist das Gefühl, in wenigen Wochen bei den Olympischen Spielen an den Start gehen zu dürfen? Welche Erwartungen hast Du an Olympia in Tokio?“ 

Benedikt Fürk: „Ich bin ja schon etwas älter, sodass es für mich die letzte Chance war, an Olympischen Spielen teilzunehmen. Das wollte ich unbedingt mal gemacht haben! Ich freue mich riesig, dass ich dabei bin! Auch wenn ich bislang eigentlich noch gar keine richtige Zeit hatte, um mich darüber zu freuen: Nachdem ich vom Bundestrainer nominiert worden war, stand eine Woche später bereits die Europameisterschaft an. Aber das Gefühl wird sich in nächster Zeit noch verstärken – spätestens bei der Einkleidung für Olympia (Anm. d. Red.: Das Interview wurde Mitte Juni geführt).“

Mülheim macht Sport: „Wie sieht Dein Zeitplan bis Tokio aus?“

Benedikt Fürk: „Wir sind am 13. Juni aus Amsterdam zurückgekommen (Anm. d. Red.: Bei der EM in den Niederlanden gewannen die deutschen Herren die Silbermedaille), am 24. Juni geht es nach Köln, wo die Roadshow zur Einkleidung stattfindet. Vom 25. Juni bis zum 3. Juli sind wir in Valencia im Trainingslager, dann haben wir noch einige Tage zuhause, ehe es am 16. Juli nach Tokio geht.“

Mülheim macht Sport: „Was bedauerst Du besonders, wenn Du an Tokio denkst?“

Benedikt Fürk: „Dadurch, dass es meine ersten Olympischen Spiele sind, habe ich noch keine Vorerfahrung. Sicherlich wird es pandemiebedingt ein paar Änderungen im Vergleich mit den vergangenen Jahren geben. Ich gehe sozusagen ‚neutral‘ an alles heran, lasse alles auf mich zukommen und wirken. Ich hoffe, dass wir nach unserer Ankunft etwas Zeit haben werden, um Eindrücke zu sammeln, um das olympische Flair einzufangen – wie auch immer dies sein wird. Denn wenn das Turnier beginnt, müssen wir uns natürlich komplett auf das Sportliche konzentrieren.“

Mülheim macht Sport: „Hast Du schon einmal ein Turnier in Japan bestritten?“ 

Benedikt Fürk: „Wir hatten mal einen Lehrgang in Japan, das ist zwei bis drei Jahre her. Dabei haben wir in der Nähe von Tokio auch ein Länderspiel gegen Japan ausgetragen. Wir hatten die Möglichkeit, einen Tag nach Tokio rein zu fahren, und haben uns u. a. angeschaut, wo das olympische Hockeystadion und das olympische Dorf entstehen. Damals befand sich alles noch im Aufbau.“
 
Mülheim macht Sport: „Was darf in Deinem Koffer, den Du für Tokio packst, keinesfalls fehlen? Hast Du z. B. einen speziellen Glücksbringer, der Dich immer begleitet, oder nimmst Du spezielle Nahrungsmittel mit?“

Benedikt Fürk: „Ich habe nichts Spezielles, was ich mitnehme. Was die Ernährung anbelangt, so weiß ich noch nicht genau, wie das bei den Olympischen Spielen gehandhabt wird. Bei Lehrgängen und Europameisterschaften haben wir immer einen Besprechungsraum, in dem unser Teammanager ein Buffet mit Joghurt, Müsli und anderen Sachen, die man zwischendurch essen kann, aufbaut. Denn es ist bei Turnieren nicht immer gegeben, dass das Frühstück hinsichtlich der Nahrungsmittel, die angeboten werden, für alle ausreichend ist. Ich werde sicherlich auch ein wenig eigene Verpflegung nach Tokio mitnehmen.“

Mülheim macht Sport: „Was fasziniert Dich an der Sportart Hockey?“

Benedikt Fürk: „Hockey ist mega-schnell, sehr athletisch, es gibt viele Torraumszenen und meistens auch viele Tore – mehr als im Fußball. Das macht das Spiel aus meiner Sicht auch sehr interessant für Zuschauer*innen.“

Mülheim macht Sport: „Wann hast Du mit Hockey begonnen?“

Benedikt Fürk: „Ich habe mit vier bis fünf Jahren Spaß daran gefunden.“

Mülheim macht Sport: „Wenn Dich ein junger Sportler fragt, was man ‚benötigt‘, um solch ein Weltklassespieler zu werden, wie Du einer bist. Was antwortest Du ihm?“

Benedikt Fürk: „Zunächst steht der Spaß im Vordergrund. Darüber entwickelt man mehr. Irgendwann muss man dann an sich selbst arbeiten, an Athletik und Technik. Athletik ist ein wichtiger Aspekt im Sport geworden. Darüber kann man viel machen. Um gut zu werden, muss man neben Spaß an der Sache somit auch die Bereitschaft haben, große Anstrengungen auf sich zu nehmen.“

Mülheim macht Sport: „Wie viele Trainingseinheiten absolvierst Du üblicherweise?“

Benedikt Fürk: „Ich habe aktuell ca. sechs Trainingseinheiten (Ausdauer, Kraft, Hockey). Hinzu kommen Ausdauer- und Krafttraining, welches man üblicherweise jeweils eigenständig macht. Es ist nicht unüblich, zweimal am Tag zu trainieren. Wir machen oft morgens Krafttraining und haben abends Hockeytraining. Das Training ist sehr intensiv geworden.“

Mülheim macht Sport: „Herzlichen Dank für das Gespräch und weiterhin gute Vorbereitungen auf Tokio und dann natürlich vor Ort tolle Erlebnisse!“

„Ich wäre sehr glücklich, wenn ich ein Spiel bestreiten könnte!“

Bei den Damen vertritt in der Sportart Hockey Maike Schaunig die Mülheimer Farben in Tokio: Die 25-Jährige aus Dinslaken, die seit rund acht Jahren für den HTC Uhlenhorst aktiv ist und dort als Kapitänin das Erstligateam anführt, erlebt 2021 ihre ersten Olympischen Spiele. Im Interview mit „Mülheim macht Sport“ erläutert die amtierende Vizeeuropameisterin mit der deutschen Nationalmannschaft u. a., was sie an der Sportart Hockey fasziniert und welche Erwartungen sie an das Multisportevent in der japanischen Hauptstadt hat.

Mülheim macht Sport: „In vier Tagen, am 16. Juli, geht es vom Flughafen Frankfurt am Main aus nach Tokio. Wie fühlst Du Dich so kurz vor der Abreise?“

Maike Schaunig: „Ich kann es irgendwie noch gar nicht so recht realisieren. Ich bin ein bisschen angespannt, ein bisschen nervös, und denke, dass ich alles erst richtig realisieren, wenn ich gemeinsam mit den anderen am Flughafen in Frankfurt stehe und wir alle das gleiche Outfit tragen.“

Mülheim macht Sport: „Welche Erwartungen hast Du an die Olympischen Spiele?“

Maike Schaunig: „Ich gehe mit gar nicht so großen Erwartungen in die Spiele – zumal wir auch nicht genau wissen, wie alles ablaufen wird. Es werden durch die Corona-Pandemie sicherlich andere Olympische Spiele sein als in den vergangenen Jahren. Unser Ziel bleibt es in jedem Fall, einen großen Erfolg einzufahren. Ich profitiere sogar von Corona: Anders als normalerweise können diesmal Ersatzspielerinnen flexibel eingesetzt werden. Sonst kam man nur dann zum Einsatz, wenn eine Teamkollegin sich stark verletzt hatte. Außerdem musste man als Ersatzspielerin außerhalb des olympischen Dorfs, in einem Hotel, wohnen. In Tokio haben wir – neben mir ist eine weitere Spielerin als Ersatzspielerin vorgesehen – hingegen schon die Möglichkeit, eingesetzt zu werden, wenn eine der 16 Spielerinnen muskuläre Probleme hat oder die Belastungssteuerung eine Pause sinnvoll erscheinen lässt. Ich wäre sehr, sehr glücklich, wenn ich ein Spiel bestreiten und die Atmosphäre – auch wenn keine Zuschauer*innen vor Ort sein werden – mitbekommen könnte. Ich habe in jedem Fall total ‚Bock‘ auf das Turnier!“ 

Mülheim macht Sport: „Wie gefällt Dir die Einkleidung, die jedes Mitglied des ‚Team D‘ für Tokio erhalten hat? Es sind ja insgesamt rund 80 Teile …“

Maike Schaunig: „Ja, wir haben sehr viel bekommen … Es sind viele schöne Sachen dabei. Es muss für Adidas super schwer gewesen sein, eine Kollektion für so viele unterschiedliche Sportarten zu entwerfen – sodass jede*r etwas hat, was ihm oder ihr gefällt. Es ist etwas Besonderes, diese Kollektion zu erhalten, auf der Team D‘ steht! Unsere Anreisesachen haben wir hier, der Rest ist schon nach Japan geschickt worden.“

Mülheim macht Sport: „Hast Du die Einkleidung auch in Köln angeschaut und anprobiert, wo die Hockey-Herren sie erhalten haben?“ 

Maike Schaunig: „Nein, der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) hatte ja in ganz vielen Orten in Deutschland seinen Truck mit der Einkleidung stehen und wir sind vor dem Spanien-Lehrgang nach München gereist, um dort die Kollektion anzuprobieren. Von da aus sind wir nach Valencia (Anm. d. Red.: in Spanien) geflogen. Wir sind etwas später dorthin gereist als die Jungs und entsprechend auch etwas später nach Hause geflogen. Deshalb konnte ich leider auch nicht an der Verabschiedung der Mülheimer Olympiateilnehmer*innen am 6. Juli teilnehmen.“

Mülheim macht Sport: „Wie werden die letzten Tage bis zur Abreise bei Dir im Hinblick auf das Training ablaufen?“

Maike Schaunig: „Wir machen alle noch ein bisschen Stützpunkttraining – einfach, um das Antrainierte beizubehalten. Neben Laufeinheiten, Kraft- und Sprinttraining steht am Dienstag und am Mittwoch noch jeweils eine kleine Hockeyeinheit an. Diese wird nicht intensiv ausfallen, es geht dabei vielmehr darum, dass man vor der Abreise einfach noch einmal den Schläger in der Hand hat.“

Mülheim macht Sport: „Wie bist Du eigentlich zum Hockeyspielen gekommen?“ 

Maike Schaunig: „Mein Vater hat zwar 42 Jahre in Hiesfeld Hockey gespielt, aber ich bin im Grunde durch meine Schwester dazu gekommen. Als kleine Schwester musste ich irgendwann unbedingt auch dahin …“

Mülheim macht Sport: „Und wo hast Du mit dem Hockeyspielen begonnen?“ 

Maike Schaunig: „Angefangen habe ich beim TV Jahn Hiesfeld in Dinslaken. Als dort in einer bestimmten Altersklasse keine Mannschaft mehr gab, in der ich hätte spielen können, bin ich zum Club Raffelberg nach Duisburg gegangen. Vor ca. acht Jahren bin ich schließlich zum HTC Uhlenhorst gewechselt.“

Mülheim macht Sport: „Was fasziniert Dich an der Sportart Hockey?“

Maike Schaunig: „Hockey ist einfach ein richtig schöner Sport – zum Angucken, aber auch zum Spielen. Man muss so vieles trainieren, was man nicht direkt im Spiel sieht. Ich mag es sehr, in einer Mannschaft zu spielen. Außerdem ist Hockey schnell, intensiv und es fallen meistens viele Tore. Hockey ist einfach richtig cool … Ich hoffe, dass Hockey durch die Olympischen Spiele wieder ein bisschen populärer wird. Die Sportart beinhaltet so viel: Technik, Ausdauer etc. Außerdem kann man den Sport ganz leicht ausüben. Wir Nationalspielerinnen tragen eine große Verantwortung, um dies alles an die Öffentlichkeit weiterzugeben!“

Mülheim macht Sport: „Machst Du das auch über die sozialen Medien?“

Maike Schaunig: „Ja, darin bin ich durchaus aktiv. Wir müssen natürlich schauen, was bei den Olympischen Spielen erlaubt ist. Aber ich denke, dass wir das, was möglich ist, nutzen werden. Viele von uns sind auch über Instagram sehr aktiv.“

Mülheim macht Sport: „Was darf in Deinem Koffer, den Du für Tokio packst, keinesfalls fehlen? Hast Du z. B. einen speziellen Glücksbringer, der Dich immer begleitet, oder nimmst Du spezielle Nahrungsmittel mit?“

Maike Schaunig: „Ich nehme gerne ein Teil von zuhause mit – ein Kissen oder einen Pulli, den ich zuhause häufig trage –, um ein bisschen Heimat dabei zu haben. Im Hinblick auf Tokio ist das nochmal etwas anderes als bei Lehrgängen etc. Wir haben im olympischen Dorf ein Sechser-Appartement und befinden uns in einem regen Austausch, wer was mitnimmt, damit wir uns dort wohl fühlen. Ich z. B. nehme die Polaroid-Kamera meiner Schwester mit, damit wir Bilder aufhängen und das Appartement somit ein wenig schmücken können.“

Mülheim macht Sport: „Hast Du bestimmte Rituale, die Du vor jedem besonderen Spiel ‚abspulst‘? Falls ja: Welche sind das?“

Maike Schaunig: „Ich habe keine richtigen Rituale, vieles ist aber zu Routinen geworden. Das beginnt mit dem Packen der Tasche, dann ziehe ich mein Outfit an, schminke mich ein wenig, höre Musik und tanze und singe mit meiner Zimmerkollegin, damit wir in eine schöne Stimmung kommen.“

Mülheim macht Sport: „In diesem Sinne die besten Wünsche für Tokio und herzlichen Dank für das Gespräch!“

„Man ist nur dann erfolgreich, wenn sich alle in den Dienst der Mannschaft stellen!“

Drei Tage vor dem Abflug nach Tokio erläutert Niklas Bosserhoff im Interview mit „Mülheim macht Sport“ u. a., was ihn an der Sportart Hockey fasziniert und welche Erwartungen er an die Olympischen Spiele in der japanischen Hauptstadt (23. Juli bis 8. August 2021) hat. Der 23-Jährige vom HTC Uhlenhorst wurde 2021 als Mitglied der deutschen Hockeynationalmannschaft der Herren Vizeeuropameister und ist in diesem Jahr zum ersten Mal bei Olympia dabei. 

Mülheim macht Sport: „Wann genau geht die Reise für Euch los?“

Niklas Bosserhoff: „Wir fliegen am Freitagnachmittag (Anm. d. Red.: 16. Juli) ab Frankfurt am Main. Zusammen mit den anderen Mülheimer Hockeyspielern werde ich in gemieteten Autos dorthin fahren, die Wagen geben wir dann am Flughafen ab.“

Mülheim macht Sport: „Wie fühlst Du Dich so kurz vor der Abreise? Bist Du nervös?“

Niklas Bosserhoff: „Nervosität ist eigentlich gar nicht vorhanden, eher totale Vorfreude. Ich habe gehört, dass auch einige andere Athlet*innen am Freitag ab Frankfurt am Main nach Tokio fliegen, sodass man da schon einige kennen lernt, die man später im olympischen Dorf wiedertrifft. Auch die ersten Tage im olympischen Dorf werden sicherlich aufregend. Wenn es dann in Richtung der ersten Spiele geht, kommt bestimmt ein bisschen Nervosität hinzu.“

Mülheim macht Sport: „Wann stehen für Euch die ersten Begegnungen an?“

Niklas Bosserhoff: „Am 23. Juli ist die Eröffnungsfeier, am 24. Juli spielen wir schon gegen Kanada. Das Hockeyturnier läuft insgesamt knapp zwei Wochen. Wenn wir so weit kommen, wie wir es uns wünschen, wäre unser letztes Spiel am 5. August. Dann werden das Spiel um Bronze und das Finale ausgetragen. Wir wollen natürlich um eine Medaille mitspielen.“ 

Mülheim macht Sport: „Welche Erwartungen hast Du an die Olympischen Spiele?

Niklas Bosserhoff: „So richtig kann ich mir nicht vorstellen, was los sein wird. Man kann sich auch nicht an Erzählungen aus den Vorjahren orientieren, denn die Spiele in Tokio werden natürlich schon andere sein als sonst – allein durch die vielen Regeln, die man einhalten muss, und weil keine Zuschauer*innen zugelassen sind. Unser Teammanager und unser Trainer haben uns einige Fotos gezeigt, wie es vor Ort aussieht, und damit versucht, uns ein wenig darauf einzustimmen. Wir konnten so schon ein Gefühl für alles bekommen und können uns nun alles ein wenig besser vorstellen.“

Mülheim macht Sport: „Wie seid Ihr im olympischen Dorf untergebracht? Bewohnst Du ein Appartement mit den anderen Spielern des HTC Uhlenhorst?“

Niklas Bosserhoff: „Wir haben Sechser-Appartements. Bei der Zimmereinteilung wurde darauf geachtet, dass sowohl in Bezug auf das Alter bzw. die Erfahrung als auch auf die Vereinszugehörigkeit eine gute Mischung entsteht. Ich teile mir mit Timm Herzbruch ein Zimmer, die zwei anderen Zimmer in unserem Appartement belegen allerdings Spieler aus anderen Vereinen. Wir haben uns auch schon überlegt, wer was mitnimmt – z. B. ein Kartenspiel oder einen Laptop mit HDMI-Kabel, sodass wir gemeinsam Filme schauen können.“

Mülheim macht Sport: „Was darf in Deinem Koffer, den Du für Tokio packst, keinesfalls fehlen? Hast Du z. B. einen speziellen Glücksbringer, der Dich immer begleitet, oder nimmst Du spezielle Nahrungsmittel mit?“

Niklas Bosserhoff: „Ich habe nichts Spezielles, was ich immer mitnehme. Ich habe allerdings für Tokio von meinen Eltern einen kleinen Glücksbringer bekommen, weil sie nicht mitreisen können. Sie wären bestimmt gerne dabei gewesen. Wir haben von Edeka, einem Partner des ‚Team D‘, ein paar Snacks dabei, falls uns das Essen vor Ort nicht so richtig zusagt. Außerdem nimmt jeder etwas für sich selbst mit. Ich gehe aber davon aus, dass wir vor Ort gut versorgt werden.“

Mülheim macht Sport: „Wie bist Du eigentlich zum Hockeyspielen gekommen?“ 

Niklas Bosserhoff: „Meine Eltern haben kein Hockey gespielt. Als ich fünf Jahre alt war, sind wir nach Mülheim an der Ruhr gezogen und meine Eltern haben sich mit den Nachbarn über Sportvereine in der Stadt unterhalten und überlegt, wo sie meine Geschwister und mich anmelden könnten. Da die Nachbarskinder beim HTC Uhlenhorst aktiv waren, haben sie meinen Bruder, meine Schwester und mich einfach mal dort zum Training geschickt. Wir sind alle drei dabei geblieben …“

Mülheim macht Sport: „Wie alt sind Deine Geschwister heute?“ 

Niklas Bosserhoff: „Mein Bruder ist 20, meine Schwester 16.“

Mülheim macht Sport: „Was fasziniert Dich an der Sportart Hockey?“

Niklas Bosserhoff: „Am Hockey finde ich besonders schön, dass ich über all die Jahre ganz tolle Freundschaften geschlossen habe – auch über den Verein hinaus. Da in Deutschland gar nicht so viele Menschen Hockey spielen, trifft man gewissermaßen immer die gleichen Leute. So hat man eigentlich in jeder Stadt, in der man regelmäßig spielt, Freunde und Bekannte – und fühlt sich in ganz Deutschland zugehörig. Wenn man unterwegs ist, merkt man, dass alle Hockeyspieler irgendwie ‚auf einer Wellenlänge‘ sind.“

Mülheim macht Sport: „Was muss jemand aus Deiner Sicht ‚mitbringen‘, wenn er solch ein Weltklassespieler werden möchte, wie Du einer bist?“

Niklas Bosserhoff: „In einer Mannschaftssportart gehört viel mehr dazu, als ‚nur‘ als Einzelsportler gut zu sein. Man muss auch immer wissen, wie man der Mannschaft am besten helfen kann. Man ist nur dann erfolgreich, wenn sich alle in den Dienst der Mannschaft stellen. Natürlich muss man auch immer an seiner Technik, Athletik etc. arbeiten.“

Mülheim macht Sport: „Wie gestaltet sich bei Dir eine ‚normale‘ Trainingswoche?“

Niklas Bosserhoff: „Ich trainiere dreimal mit der Mannschaft und absolviere zusätzlich individuelle Einheiten – z. B. zweimal Krafttraining, zwei Läufe, Sprinttraining. Das Training ist sehr vielseitig, wobei die Trainingseinheiten mit dem Team eigentlich am wichtigsten sind.“

Mülheim macht Sport: „Welche Position nimmst Du auf dem Spielfeld ein?“

Niklas Bosserhoff: „Ich bin Außenverteidiger.“

Mülheim macht Sport: „Wie gefällt Dir die Einkleidung, die jedes Mitglied des ‚Team D‘ für Tokio erhalten hat?“

Niklas Bosserhoff: „Wir haben die Kollektion bislang nur im Schnelldurchlauf gesehen – bei der Einkleidung. Da bekam man nacheinander ganz viele Sachen, die man anprobieren sollte. Aber so richtig Zeit, um alles anzuschauen, blieb nicht. Was wir hier haben, für die Anreise, sieht alles top aus! Die Kollektion ist ein wenig an das Ausrichterland angelehnt, man erkennt einige japanische Muster. Den Großteil der Sachen werden wir erst in Tokio erhalten.“

Mülheim macht Sport: „Herzlichen Dank für das Gespräch und die besten Wünsche für Deine ersten Olympischen Spiele!“

„Mein Sport ist das Schiedsen!“

Heute beginnen in Tokio die Spiele der 32. Olympiade (23. Juli bis 8. August 2021). Neben neun Athlet*innen aus vier Sportarten, die für einen Mülheimer Verein aktiv sind bzw. in Mülheim an der Ruhr wohnen, ist bei den Olympischen Sommerspielen in der japanischen Hauptstadt auch ein Schiedsrichter „mit Mülheim-Bezug“ vertreten: Benjamin Göntgen vom Kahlenberger Hockey- und Tennis-Club (KHTC) wurde vom Welthockeyverband FIH für das Großereignis nominiert. In der Woche vor seiner Abreise nach Asien erläuterte der 37-Jährige im Interview mit „Mülheim macht Sport“ u. a., welche Erwartungen er an die Olympischen Spiele hat und welche Eigenschaften einen guten Hockey-Schiedsrichter auszeichnen. 

Mülheim macht Sport: „Wann haben Sie von der Nominierung erfahren?“

Benjamin Göntgen: „Ich weiß bereits seit September 2019 davon. Informiert worden bin ich darüber durch ein offizielles Schreiben per E-Mail vom Weltverband.“

Mülheim macht Sport: „Wann erfolgt bei Ihnen die Abreise? Die Mülheimer Sportler*innen fliegen ja am 16. Juli – geht es dann auch bei Ihnen bereits los?“

Benjamin Göntgen: „Wir fliegen erst am 20. Juli nachmittags. D. h., wir treten die Reise nicht mit den Teams an, sondern unsere Flüge wurden über den Weltverband gebucht. Wir Schiedsrichter wohnen in Tokio auch nicht im olympischen Dorf, sondern in Hotels.“

Mülheim macht Sport: „Wie ist das Gefühl – so wenige Tage vor der Abreise?“

Benjamin Göntgen: „Je näher der Tag kommt, umso nervöser werde ich. Ich habe eine große Vorfreude – auch wenn es ganz andere Spiele werden als man sie kennt. Wir dürfen uns z. B. nur im Hotel und auf dem Hockeyplatz aufhalten. Aber das ist mir eigentlich egal, ich habe mich damit arrangiert. Für mich sind es die ersten Olympischen Spiele und für mich gilt wirklich das Motto ‚Dabeisein ist alles‘. Die Vorfreude ist in jedem Fall deutlich größer als die Wehmut.“ 

Mülheim macht Sport: „Welche Erwartungen haben Sie – aufgrund der besonderen Rahmenbedingungen – an die Zeit in Tokio?“

Benjamin Göntgen: „Wir wurden in mehreren Online-Meetings geschult, was vor Ort erlaubt ist und was nicht. Ich konnte bei der Europameisterschaft im Juni in Amsterdam das Feeling bereits ein bisschen trainieren und in der Bundesliga ist es ähnlich: Auch dort müssen wir eine Maske tragen, einen Coronatest machen und es sind keine Zuschauer*innen zugelassen. Dass in Tokio keine Zuschauer*innen dabei sein werden, ist natürlich schade. Seitens der Organisator*innen wird alles dafür getan, dass die Teilnehmenden an den Olympischen Spielen sicher sein können.“

Mülheim macht Sport: „Wie qualifiziert man sich als Hockey-Schiedsrichter für Olympia?“

Benjamin Göntgen: „Um für Großevents nominiert werden zu können, müssen wir dreimal pro Jahr einen Fitnesstest absolvieren. Und dann muss natürlich die Leistung, die man auf dem Platz zeigt, für sich sprechen, d. h., man muss bei den großen Turnieren gut pfeifen. Bewertet wird die Leistung von entsprechenden Verantwortlichen der nationalen und internationalen Verbände.“

Mülheim macht Sport: „Wie viele Schiedsrichter aus Deutschland sind für das olympische Hockeyturnier in Tokio vorgesehen?“

Benjamin Göntgen: „Da Christian Blasch (Anm. d. Red.: Der Schiedsrichter des HTC Uhlenhorst war bereits bei vier Olympischen Spielen im Einsatz.) leider verletzungsbedingt seine Teilnahme an den Olympischen Spielen in Tokio abgesagt hat, bin ich der einzige. Bei den Damen ist Michelle Meister aus Berlin dabei. Zudem ist der Turnierdirektor ein Deutscher: Dr. Christian Deckenbrock aus Köln ist als Technical Delegate für den gesamten Ablauf des olympischen Herrenturniers zuständig.“

Mülheim macht Sport: „Sollte Deutschland ins Finale kommen, dürften Sie – aus Neutralitätsgründen – nicht pfeifen …“ 

Benjamin Göntgen: „Die Mannschaft ist das, was zählt! Ich würde lieber auf der Tribüne sitzen und dem deutschen Team beim Spiel um die Goldmedaille zusehen als selbst auf dem Platz stehen zu dürfen … Schließlich sichert die Goldmedaille dem Hockeysport u. a. hohe Fördermittel.“

Mülheim macht Sport: „Wie sind Sie zum Hockey gekommen?“ 

Benjamin Göntgen: „Durch die Schule: In der 2. Klasse habe ich einmal pro Woche nachmittags in einer Sport-AG Hockey gespielt. Ich habe damals schon Tennis im Verein gespielt und wollte mich zusätzlich im Hockey versuchen. Mit ca. 8-9 Jahren bin ich in den KHTC eingetreten, wo ich als Spieler aufgewachsen bin.“

Mülheim macht Sport: „Wie kam es dann dazu, dass Sie auch als Schiedsrichter aktiv wurden?“ 

Benjamin Göntgen: „Ich saß mit meinen Eltern beim Essen und habe wieder einmal über die Schiedsrichter geschimpft. Daraufhin meinte meine Mutter: ‚Mach es doch besser!‘ Da war ich etwa 14 Jahre alt. Kurz darauf habe ich meinen ersten Lehrgang als Schiedsrichter absolviert – übrigens bei Christian Blasch. Daher hätte ich es unfassbar toll gefunden, wenn ich gemeinsam mit ihm meine ersten Olympischen Spiele erlebt hätte. Ich habe mich dann über die verschiedenen Lizenzstufen hochgearbeitet und mit 18 Jahren zum ersten Mal in der Bundesliga gepfiffen. Das Spielerische hätte bei mir bei Weitem nicht ausgereicht, um so hoch zu spielen. Mein Talent liegt offenbar an der Pfeife, mein Sport ist das Schiedsen.“

Mülheim macht Sport: „Aber auch dafür müssen Sie viel trainieren …“

Benjamin Göntgen: „Ich glaube, das Trainingspensum von Schiedsrichtern gestaltet sich nicht viel geringer als das der Spieler*innen. Um meine Fitness zu erhalten, gehe ich vier- bis fünfmal pro Woche laufen. Hinzu kommt Krafttraining, um Verletzungen vorzubeugen. Genauso muss ich im kognitiven Bereich arbeiten. Ich tausche mich z. B. regelmäßig mit einem Sportpsychologen darüber aus, wie ich am besten Drucksituationen löse. Denn als Schiedsrichter bin ich ja häufig auch als Konfliktlöser gefragt.“

Mülheim macht Sport: „Was muss jemand aus Ihrer Sicht ‚mitbringen‘, wenn er solch ein Weltklasse-Schiedsrichter werden möchte, wie Sie einer sind?“

Benjamin Göntgen: „Man benötigt zum einen ein gutes Hockey-Verständnis – um antizipieren zu können, wie der*die Spieler*in denkt. Außerdem ist eine gewisse Grundfitness erforderlich und der Fairness-Gedanke muss im Vordergrund stehen. Denn als Schiedsrichter ist man häufig ja auch Streitschlichter. Man muss darüber hinaus gut mit Menschen umgehen können und Kritikfähigkeit besitzen. Einer meckert immer und man darf das nicht persönlich nehmen. Viel bewirkt auch die Erfahrung. Ich mache das Ganze nun seit 23 Jahren und stelle immer wieder fest, dass mich die Tätigkeit auch im Alltag weiterbringt. Dazu zählt, dass man Entscheidungen treffen und dazu stehen muss und sich etwas trauen muss. Wer als Schiedsrichter fungiert, hat es meinen Erfahrungen zufolge z. B. leichter, in der Schule oder Uni Referate zu halten.“

Mülheim macht Sport: „Haben Sie eigentlich auch ein Schiedsrichter-Team um sich – wie man es vom Fußball kennt?“

Benjamin Göntgen: „Im Hockey sind immer zwei Schiedsrichter auf dem Platz, die gleichgestellt sind. Außerdem gibt es einen Video-Schiedsrichter. Dieser kommt zum Einsatz, wenn ein Team eine Entscheidung anzweifelt oder wenn wir als Schiedsrichter eine Entscheidung überprüfen wollen. Auch das ist somit etwas anders als im Fußball – hier kann ja nicht ein Team um die Überprüfung einer Entscheidung bitten.“

Mülheim macht Sport: „Herzlichen Dank für das Gespräch und die besten Wünsche für Ihre ersten Olympischen Spiele!“